Das Männermagazin

am 2. März 2010

Werte Herren, wir stellen vor: BEEF! und Business Punk. Die zwei sind so etwas wie der Gipfel der männlichen Emanzipation. Sie sind das längst überfällige Ergebnis der Erkenntnis, dass Männer sich für mehr interessieren als Fußball, Bier und nackte Frauen. Sie sind konzipiert als Lektüre für alle die Männer, die sich nicht auf das Klischee des „typischen Mannes“ reduziert sehen wollen. Sie sind nur zwei Beispiele für die neuen Männermagazine, die es aktuell beim Zeitschriftenhändler käuflich zu erwerben gibt.

Sag mir, was Du liest und ich sage Dir, was Du bist!

Fand man im Bücherregal eines Mannes ein Exemplar von Goethes Faust, so konnte man annehmen, dass er Abitur hat. Die daneben stehenden Zeitschriften und Magazine zum Thema Design und Architektur sowie Reise und Sport reflektierten außerdem, dass der Hausherr ein Mann von Welt und interessentechnisch breiter aufgestellt ist.

Doch die Ausgaben, die dort präsentiert werden stauben langsam an. Die Reihen werden kaum ergänzt. Der moderne Gentleman fühlt sich eben nicht mehr angezogen von Banderolen und Aufmachern, die ihm einen Sixpack in nur einer Woche versprechen. Längst surft er lieber durch das Netz und stöbert im virtuellen Herrenmode Handbuch, im Herrenmode Blog und Webzines von Männern für Männer. Das stürzt die Zeitschriftenverlage natürlich in ein Dilemma: die Auflagen von gedruckter Information und Unterhaltung für den Mann sinken stetig.

Fleischeslust vs. Fleischeslust

Nun also suchen sie ihr Heil in der Nische. Ungestüm, laut und selbstbewusst gehen sie mit neuen Männermagazinen in Stellung und kündigen eine neue Ära der Printunterhaltung für den Mann an.

Beef! und BusinessPunk sind zwei (neuerliche) Versuche um den Magazinmarkt für Männer aus der Playboy-Ecke rauszuboxen. Aber, was unterscheidet sie von ihren Vorgängern? Auch Galore und Matador sind mit großem Getöse und durchaus auch hervorragenden Inhalten angetreten. Und erhielten dennoch den Todesstoss nach einer langen Corrida!

Von Getöse scheint das neue Kochmagazin für Männer BEEF! jedenfalls etwas zu verstehen. Bereits mehrfach musste es sich der Kritik aufgrund einer allzu provokativen Anzeigenkampagne stellen. Das mag nun wieder ein bisschen „typisch“ anmuten, ist aber auch effektiv.

Reduced to the max

Wer beim Kochen auf Schnörkel, wie Balsamico-Ornamentik nicht verzichten kann, sucht Inspiration in der Essen & Trinken. Wer auf kunterbuntes Küchen-Schischi verzichten möchte, greift zu BEEF! – und lässt sich über eine mehrseitige Bilderstrecke erklären, dass ein Mann nur ein Messer benötigt. Sonst nichts. Dann braucht er nur noch auf BEEF.de zu gehen und bestellt mit einem Klick die gesammelten Zutaten zum gerade schmackhaft gemachten Wochenmenü. So mögen wir das – ehrlich, direkt und effektiv.

Auf diese Taktik setzt auch Business Punk. Hier haben sich die Macher „Wirtschaft jenseits von Umsatzzahlen und Gewinnprognosen“ auf die Fahne geschrieben. „Work hard, Play hard.“, so der Slogan. Auch in solch einem Business Punk steckt mitunter ein Gentleman – zielstrebig, pragmatisch, selbstbewusst. Da muss man auch kein Unternehmer sein oder pomadisierter Yuppie. Es geht hier um Selbsterkenntnis, Stilsouveränität und Schnörkellosigkeit.

Frischer Wind im Blätterwald

Früher haben wir zu Men’s Health & Co. gegriffen, weil wir Idealen verfallen waren, weil wir so sein wollten, wie man glaubte, dass Frauen einen haben wollen. Nun können wir Zeitschriften um unserer selbst willen lesen, weil es um uns und unsere auf uns zugeschnittenen Themen geht. So feiern wir ja gerade auch die 100. Ausgabe eines der besten und stets mit viel literarischem Talent dargebotenen Magazine zu einem Männerhobby: 11 Freunde.

Und schließlich und letztendlich geht es uns mit diesem Objekt der Woche nicht darum, die Erweiterung der Männerthemen zu feiern, sondern die Aufforderung mal wieder zum gedruckten Werk zu greifen und uns den Themen widmen, die trotz allem immer wieder mit Niveau und Talent von unseren Kollegen der schreibenden Zunft abgedeckt werden.

Halten wir also weiterhin kicker und Konsorten die Treue. Doch ein wenig frisches Blätterrauschen in unserem Zeitschriftenköcher neben der weißen Ledercouch wird uns nicht schaden. Schließlich wissen wir, als Experten in Sachen Herrenmode, schon lange, dass Gentlemen mehr sind als Erotik, Motor und Sport.

Autor: NaF


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