Die Stile

am 15. April 2010

Wie jedes Kleidungsstück, so hat sich auch der Anzug im Laufe der Jahrzehnte immer wieder dem modischen Diktat angepasst. Mal wurde das Jackett schmaler, mal breiter. In den 70ern kam das breite Revers, mit den 80ern wurden Schulterpolster eingefügt. Doch ein paar Grundstile überdauerten dieses Auf und Ab. Heutzutage wird gerne auf diese Klassiker zurückgegriffen, denn im Prinzip ist man(n) mit diesen Schnitten bei jeder Figur und jedem Anlass gut gekleidet. Die wichtigsten dieser Grundstile und ihre Merkmale stellen wir Ihnen hier vor.

Die Grundstile der Anzüge

Der kontinentaleuropäische oder klassische Anzug

Anzugsjacke, schwarz, Einreiher

Das Jackett

  • Das traditionelle europäische Jackett ist länger und schmaler geschnitten.
  • Die Taillierung fällt wesentlich dezenter aus. Der Taillenansatz fehlt mitunter komplett.
  • Als Zweireiher wird das Jackett sehr tief geknöpft, was den Oberkörper länger erscheinen lässt. Es hat vier bis acht Knöpfe.
  • Den europäisch geschnittenen Einreiher zeichnen vor allem der Mittelschlitz am Jackett und das einfach gekerbte Revers aus. Obendrein sind die Taschen meist eingenäht.
  • Das Revers ist breiter als bei anderen Anzugtypen. Die Breite entspricht in etwa der Hälfte der Brustpartie.
  • Die Schultern sind leicht gepolstert und flach.

Die Hose

  • Die Hose ist weit geschnitten und hat in der Regel jeweils zwei Bundfalten.
  • Für einen besseren Fall sind die falten scharf gebügelt. Ein Aufschlag sorgt für zusätzliche Form.

Der englische Anzug
Das Jackett

  • Sowohl Ein- als auch Zweireiher sind vertreten
  • Als Zweireiher weist der englische Anzug jedoch häufig nur vier Knöpfe auf
  • Die Schultern sind wenig, bis gar nicht gepolstert und fallen leicht ab
  • Von den drei bis vier Ärmelknöpfen sind nur die zwei unteren tatsächlich zum aufknöpfen
  • Der Schnitt ist sanduhrenförmig, dabei sitzt die Taille hoch und die Rockschöße fallen weich und lang über die Hüften
  • An der Unterseite des linken Revers, unterhalb des Knopflochs, befindet sich eine horizontale Schlaufe für Blumen
  • Auf der rechten Seite befindet sich die so genannte Billet- oder Uhrentasche, die eine zusätzliche Seitentasche darstellt
  • Das Jackett hat zwei Seitenschlitze

Die Hose

  • Entspricht meist dem klassischen Englische Hosenschnitt.
  • Sie sitzt hoch auf der Hüfte.
  • Am Bein ist sie deutlich enger geschnitten.
  • Die Hose hat weder Bundfalten noch Umschläge.

Der amerikanische Anzug
Der amerikanische Anzug unterscheidet sich vor allem durch sein Jackett von anderen den anderen Grundsstilen.

Das Jackett

  • Das Revers ist deutlich schmaler als bei anderen Stilen. Die Kanten schließen sanfter ab.
  • Der Schnitt ist weiter und wenn überhaupt nur leicht tailliert.

Anzüge zu besonderen Anlässen

Der Smoking
Das Jackett

Randnotiz:Was im deutschsprachigen Raum als Smoking bezeichnet wird, nennt man in den USA „Tuxedo“ und in England „Dinner Jacket“. Diese ist jedoch nicht zu verwechseln mit der englischen „White Dinner Jacket“, die vom Prinzip eine weiße Smokingjacke darstellt und hierzulande „Dinner Jacket“ heisst.
  • Das Jackett ist entweder ein- oder zweireihig geschnitten.
  • Das Revers ist mit Seide besetzt und aufsteigend geschnitten.
  • Die Knopfleiste ist zumeist auf einen Schließknopf reduziert.
  • Die Knöpfe sind, wie das Revers, mit Seide besetzt.
  • Das Jackett hat keinen Rückenschlitz.
  • Die Jackettaschen sind so genannte Paspeltaschen.
  • Die klassische Smokingfarbe ist nachtblau oder schwarz.

Die Hose

  • An der äußeren Hosennaht verläuft ein einfacher Seidenstreifen, der Galon genannt wird.
  • Die Hose hat keine Umschläge.
  • Farblich passend zum Jackett, wird auch die Hose in nachtblau oder schwarz gehalten.

Das Hemd

  • Das Smokinghemd ist traditionell weiß oder champagnerfarben.
  • Es hat Klappmanschetten.
  • Die Knopfleiste ist häufig verdeckt.
  • Die Hemdbrust ist meist mit Baumwollpiqueé verstärkt, damit sie sich dann beim hinsetzen nicht aufwölbt, sollte die Verstärkung nicht weiter als bis knapp über den Hosenbund reichen.
  • Andere Formen der Hemdbrust sind glatt, oder plissiert (längs oder quer gefältelt)´.
  • Der Kragen ist für gewöhnlich ein Kentkragen, der Stehkragen ist eher dem Frack vorbehalten.

Die Details

  • Zum Smoking wird stets eine schwarze Schleife oder Fliege getragen.
  • Üblicherweise wird zusätzlich ein Pochette, also ein Einstecktuch getragen. Es ist entweder aus Leinen oder Baumwolle und greift die Hemdfarbe wieder auf.
  • Bei einreihigen Jacketts wird der Hosenbund mit einem schwarzen Kummerbund bedeckt.
  • Wahlweise kann der Kummerbund ersetzt oder ergänzt werden durch eine Weste.
  • Zweireiher werden grundsätzlich ohne Kummerbund getragen.
  • Die Schuhe sind schwarz, halbhoch und aus poliertem Lackleder.
  • Die Strümpfe sind ebenfalls schwarz und knielang geschnitten, möglichst aus Seide.

Der Frack

Frack, Hemd, festlich

Das Jackett

  • Das Frackjackett ist ein Einreiher, der nicht geschlossen werden kann.
  • Wie beim Smoking ist das Revers aufsteigend geschnitten und mit Seide besetzt.
  • Das Jackett ist ausnahmslos schwarz.
  • Zum Jackett wird stets eine weiße Weste aus steifem Baumwollpiqué getragen.
  • Das Revers der Weste ist sehr tief ausgeschnitten. Der unterste Knopf bleibt stets geschlossen.

Die Hose

  • Die Frackhose wird ebenfalls ausschließlich in schwarz getragen.
  • Sie ist schmal geschnitten.
  • Als Unterschied zur Smokinghose weist sie eine doppelten Galons, also zwei parallel verlaufende Seidenstreifen, an der äußeren Seitennaht auf.
  • Die Frackhose hat weder Umschläge noch Bundfalten.
  • Sie wird mit Hosenträgern festgehalten.

Das Hemd

  • Das Frackhemd ist entweder getäfelt oder aus Baumwollpiqué gefertigt.
  • Es hat einen einfachen Klappkragen, auch Vatermörder genannt.
  • Die Manschetten sind einfach, werden aber mit Manschettenknöpfen geschlossen.

Die Details

  • Das Hemd wird mit einer weißen Fliege abgeschlossen.
  • Zusätzlich wird oft ein weißes Einstecktuch getragen.
  • Bei besonders feierlichen Anlässen, werden gerne noch weiße Handschuhe dazu kombiniert.
  • Die Schuhe sind halbhoch, schwarz, glatt und aus Lackleder.
  • Als besondere Accessoires gelten der weiße Schal und der schwarze Zylinder, die aber beide mit dem Mantel bereits an der Garderobe abgelegt werden. Keinesfalls werden diese Dinge den ganzen Abend getragen.

Autor: NaF

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