November: Tom Ford

am 7. Dezember 2009

„A Single Man“ auf Abwegen

GQ kürte ihn kürzlich zum “Crossover of the year 2009” . Und das zu recht. Andere Designer präsentieren sich in Hollywood höchstens in Form ihrer auf dem roten Teppich vorgeführten Entwürfe. Tom Ford dagegen produziert auch mal eben einen eigenen Film.

Natürlich im typischen Tom Ford- Stil. Mit dieser ihm eigenen leicht überspitzten Liebe zum perfekt durchgestylten Detail. In „A Single Man“ überließ er nicht einmal den Fall der Gardine dem Zufall. Im Ergebnis präsentiert sich sein Erstlingswerk als Regisseur als kleines stilistisches Meisterwerk.

Nach der Romanvorlage von Christopher Isherwood erzählt Tom Ford die Geschichte von dem homosexuellen Englischprofessor George Falconer, der Anfang der 60er Jahre an der Universität von Los Angeles unterrichtet. Als sein Geliebter bei einem Autounfall stirbt, verfällt Falconer der Trauer. Er denkt an Selbstmord. An der Seite einer alten Freundin lässt er sich ein letztes Mal in Los Angeles durch die Nacht treiben. Bis er auf einen seiner Schüler trifft…

Mit diesem Film, so erzählt Ford dem Magazin GQ, habe er sich die Freiheit genommen, sich einmal kompromisslos selbst auszudrücken.
Der Stil und das Lebensgefühl der 60er und die rhetorisch überragende, wie detailverliebte Figur des George Falconer kommen Tom Ford dabei sehr entgegen. Der Designer gilt als Perfektionist, stilistisch wie handwerklich.

Seine Karriere begann er Ende der 80er bei Gucci. Vom Designchef für die Damenkollektion stieg Ford innerhalb weniger Jahre zum Creative Director auf.  In dieser Position war er für die gesamte Erscheinung aller Produktlinien, von den Kleiderkollektionen über das Design der Duftflaschen bis zum Interieur der Verkaufsläden, verantwortlich. Seit Stil ist äußerst luxuriös, auf eine zurückhaltende, kühle, klassische und sehr anspruchsvolle Art. Unter seinem Einfluss entwickelte sich das Unternehmen in den 90er Jahren zu einer der hedonistischsten und glamourösesten Marken auf dem Markt.

Ford selbst bezeichnet seinen Geschmack allerdings eher als kommerziell. Offensichtliche Provokationen durch auffällige Schnitte oder grelle Farben sucht man in seinen Kreationen darum auch vergebens. Dennoch sieht man ihn in der Branche als modischen Visionär.  Zahlreiche Design- Preise unterschreichen dies.

Bei aller Liebe zum Exibitionismus eigener Ideen ist Tom Ford selbst eine eher zurückgenommene Person. Seine größte Allüre, wenn man das so sagen kann, ist wahrscheinlich sein perfektionistisches Auftreten. In der Öffentlichkeit präsentiert er sich ganz à la „Single Man“ ausschließlich im maßgeschneiderten schwarzen Anzug. Perfekt durchgestylt vom Schuhansatz bis zum Manschettenknopf.

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