Schirmherrschaft für einen Knirps

am 8. September 2010

Wird ein Produktname erst einmal zum Synonym des bezeichneten Objekts, kann man getrost von einem Kultobjekt sprechen. In der Welt der teleskopierbaren Taschenschirme ist der Knirps solch ein Phänomen. Kein Accessoire (außer einem weiteren Kultobjekt: dem Tempo) sehnt man in der Not stärker herbei, und keines kommt dem Besitzer öfter abhanden, als der gemeine Knirps.

Ein regnerischer August wie der, den wir gerade frustriert hinter uns gelassen haben, forderte den zuverlässigen Einsatz tausender Knirpse. Aber der Weg vom ersten Regenschutz zum uns vertrauten Leichtgewicht war lang. Erste schriftliche Erwähnung fand der Regenschirm in einem Dokument aus dem Jahr 802. Ein Abt aus Tours schickte seinem Bischofskollegen in Salzburg jenes neumodische Utensil mit folgendem, warmem Begleitschreiben: „Ich sandte dir ein Schutzdach, damit es von deinem verehrungswürdigen Haupte den Regen abhalte.“

Ganz so viele Ehrfurcht bringt man dem Alltagsgegenstand heute nicht mehr entgegen. Doch wenden wir uns einmal der Geburtsstunde des zusammenfaltbaren Regenschirms, wie wir ihn heute kennen, zu.
In Solingen meldete Hans Haupt, ein aus Breslau stammender Bergassessor, am 23. November 1934 seinen teleskopierbaren Regenschirm zum Patent an. Der Name Knirps war eine spontane Eingebung von Haupts Chauffeur. Ob und in welchem Umfang dieser für seinen Geistesblitz jemals entlohnt wurde, ist nicht überliefert.
Schon bald kümmerte sich das Unternehmen Bremshey & Co um Produktion und Vertrieb der Innovation aus Solingen. Ihnen verdankt der Knirps auch sein Markenzeichen, den dicken roten Punkt, der ihn von den Kopien der lästigen Konkurrenz abheben sollte.
1982 wurde das Produkt unter dem Markennamen „Knirps International“ dann an die Firma Kortenbach & Rauh in Solingen weitergereicht, wo man 1999 die Produktion des Klassikers einstellte. Erst 2003 wurde die Knirps Licence Cooperation & Co. KG gegründet, die mit der Lizenzvergabe der Marke Knirps beauftragt ist. Bereits 2005 übernahmen dann die Firmen Doppler & Co und die Strotz AG den Klassiker.

Trotz seiner bewegten Geschichte behauptete sich der Knirps in gleich bleibender Qualität als Marktführer. Knirps gilt noch immer als der Innovator auf dem Gebiet und ist der Konkurrenz mit Neuerungen wie dem Anti-Boe-System oder rutschfesten Griffen immer eine Nasenlänge voraus. Mit dem Knirps Alure präsentierte das Unternehmen 2009 dann den kleinsten Knirps mit Öffnungsautomatik aller Zeiten.

Erstaunlich, wie der Blick in die Geschichte eines scheinbar alltäglichen Gegenstandes diesen zu einer Art Symbol von Zeitgeschichte werden lässt. Fast freut man sich da auf den nächsten Regenguss, um den kleinen Knirps aus dem Aktenkoffer zu zaubern. Schon gut – wir sagten „fast“…!

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