Zieht für Bayern die Lederhosen an

am 15. September 2010

Am 18. September ist es wieder so weit: Bis zum 4. Oktober öffnet das Oktoberfest seine Pforten zu einem der größten Volksfeste der Welt. Dieses Jahr könnte ‚d’Wiesn’ sogar noch mehr als die durchschnittlich sechs Millionen Besucher der letzten Jahre anlocken, denn man feiert 200-jähriges Jubiläum! Wenn das kein Anlass ist, unser Objekt der Woche aus dem Schrank zu holen: Die bayrische Lederhose, auch Krachlederne genannt.

Am 17.10.1810 stieg der königstreue Münchner zum allerersten Mal anlässlich des Oktoberfests in die Tracht und sein Madl schnürte sich das Dirndlmieder, um auf der Theresienwiese zu feiern. Anlass war damals die Vermählung von Kronprinz Ludwig und seiner Prinzessin Therese. Damals war die Idee entstanden, ein Fest im Stil der antiken Olympischen Spiele zu veranstalten, und man bespaßte die Menschen mit Pferderennen und sportlichen Wettbewerben. Im Laufe des 19. Jahrhunderts bauten immer mehr Schausteller ihre Buden auf und gaben damit der Wiesn ihr aktuelles Gesicht.

Unverändert aber blieb seit den Anfängen der Dresscode für den Mann. Tracht ist Pflicht! Und deren wichtigste Zutat ist eine anständige Lederhose. Man unterscheidet hierbei zwischen der kurzen Lederhose, die über dem Knie endet, traditionell eine reine Arbeitshose, und der Kniebundhose, die man zu festlichen Anlässen aus dem Schrank holt.

Für den richtigen Sitz der Hose sorgen die ebenfalls ledernen Hosenträger, die mit einem meist bestickten Querriegel verziert sind. Traditionell besteht die Lederhose aus gegerbtem Hirschleder, welches heutzutage, wenig althergebracht, sondern eher weit hergebracht, meist aus Australien oder Neuseeland stammt.
Wer in Bayern etwas auf sich hält, setzt beim Nähen der Lederhose, die eine Anschaffung fürs Leben ist, auf Handarbeit. Handarbeit sollte auch die Stickerei an Querriegel und Hosenlatz sein, die sich dadurch von der maschinellen Herstellung unterscheidet, dass das Leder nicht ganz durchstochen wird und sich die Stickereien – die gerne ein Edelweiß oder ein Wappen darstellen – plastisch vom Kleidungsstück erheben.

Ergänzt wird das Outfit durch ein Paar Bundschuhe, jene breiten, traditionellen Arbeitsschuhe, durch gestrickte Strümpfe, eine Weste und eine zünftige Joppe. Klassisch behütet wird das Ensemble mit dem Gamsbart.
Für den einmaligen Wiesn-Besuch wird sich der Nicht-Bayer vermutlich nicht mit einer solch aufwändigen und kostspieligen Montur ausrüsten wollen. Aber für Unentschlossene in Sachen perfektem Outfit bietet die Homepage des Oktoberfests jetzt sogar einen Psychotest als Entscheidungshilfe an!

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