Vom Rohstoff zum Textil – Wie Stoffe entstehen

am 14. Dezember 2009

Schritt für Schritt den Weg der Verarbeitung entlang

Bevor wir uns den weichen Wattebausch der Baumwolle als Pullover über den Kopf streifen können, legt der Rohstoff – nicht nur in Kilometern gemessenen – einen langen Weg zurück! Vom Faden, über dessen Verarbeitung zum Textil, bis hin zur Veredelung des fertigen Stoffes sind viele Handgriffe erforderlich.

Schritt 1: Der Faden

Spinnen:
Zunächst muss der Rohstoff zu einem Faden verarbeitet werden. Das erreicht man, indem die losen, in Knäueln gefassten Fasern zunächst zu einem Band gezogen werden. In einer Spinnmaschine entsteht dann aus diesem Band, durch kontinuierliches Strecken und Drehen, ein Faden.

Zwirnen:
Im Anschluss kann man aus den gesponnenen Fäden einen noch dickeren, festeren und härteren Faden produzieren. Indem man Fäden desselben Rohstoffs oder auch unterschiedlicher Materialien verzwirnt, d.h. schlicht zusammendreht. Den gewonnenen Faden nenn man dann auch Zwirn.

Schritt 2: Das Textil

Die Fäden können nun auf vielfache Weise miteinander Verflochten werden, um eine textile Fläche zu erhalten.

Das Gewebe:
Ein Gewebe entsteht, wie der Name schon sagt, durch das Weben; im Prinzip eine Verflechtung von Längs- und Querfäden durch einen Webstuhl. Der in Längsrichtung laufende Faden ist dabei die „Kette“, den in Querrichtung laufende Faden nennt man „Schuss“. Der Kettfaden ist fest im Webstuhl eingespannt und muss daher relativ stark sein. Für den Schussfaden werden häufig losere, weichere Fäden gewählt. Dadurch ist das Gewebe in Schussrichtung dehnbarer als in Kettrichtung, während der Kettfaden durch das Einspannen in den Stuhl bereits stark vorgedehnt wurde. Die Stoffe laufen daher in Kettrichtung stärker ein, da die durch die Verarbeitung gedehnten Fäden beim Waschen wieder schrumpfen.

Man unterscheidet, je nach Verflechtung, bzw. Verkreuzung der Fäden, verschiedene Bindungen. Wie der verwendete Rohstoff hat auch die Bindung einen Einfluss auf die Textileigenschaften:

Leinwandbindung:
Gilt als die einfachste und festeste Bindung. Wird daher bei strapazierfähigen Geweben verwendet. Stoffe aus Leinwandbindung haben meist einen steifen Fall. Sie eignen sich nicht für wärmende Kleidung, da der fest gedrehte Garn wenig Luft einschließen kann. Je nach Rohstoff hat die Leinwandbindung eine andere Bezeichnung. Bei Seide und Filamentgarn spricht man von Taftbindung, bei Wolle und Chemiefaser von Tuchbindung, und bei Gewebe aus Baumwolle von Kattunbindung.

Köperbindung:
Diese Bindung ist lockerer und kann daher mehr Luft einschließen. Stoffe aus Köperbindung werden daher häufig zu wärmender Kleidung verarbeitet. Man erkennt Gewebe aus Köperbindung an den schräg verlaufenden Linien. Diese entstehen dadurch, dass der Schussfaden stets mehrere Kettfäden überspringt. Je lockerer die Bindung, desto weniger haltbar ist der Stoff. Dichtgewebte Köperbindungen sind jedoch sehr strapazierfähig.

Atlas- und Satinbindung:
Atlas- oder Satinbindung bezieht sich auf den verwendeten Rohstoff. Bei Seide und Filamentgarnen spricht man von Atlasbindung, bei Baumwolle, Wolle und Chemiefasern von Satinbindung. Erkennbar ist diese Bindungsart an der glatten, glänzenden Oberfläche des Stoffes. Die Eigenschaften sind vom verwendeten Material abhängig. Glatte Garne ergeben kühlende und weiche Gewebe. Lockere Garne dagegen werden eher zu wärmenden Geweben.

Die Maschenware:
Eine andere Verarbeitungsmöglichkeit neben dem Weben ist das Stricken. Im Gegensatz zu den sich überkreuzenden Fäden bei Geweben, werden hier ineinander hängende Maschen gebildet.

Die Vorzüge: Zunächst sind gestrickte Textilien in alle Richtungen dehnbar, was sie sehr bequem und anschmiegsam macht. Stoffe die dicht am Körper liegen, tragen zudem weniger auf. Die lockere Beschaffenheit ist luftdurchlässig und saugfähig, und begünstigt dadurch die Hautatmung. Entsprechend sind sie aber auch wenig wärmeleitend, da die offenen Maschen Luft einschließen. Maschenware knittert grundsätzlich weitaus weniger als Gewebe. In der Produktion sind diese Stoffe schneller hergestellt. Je nach Strickart unterscheidet man Querfadenware und Kettenware. Wie bei den Bindungen von Geweben, haben auch hier die Verarbeitungsverfahren Einfluss auf den späteren Stoff.

Querfadenware:
Hierfür wird ein einzelner Faden verwendet, der in waagerechter Richtung verläuft. Der Vorteil ist, dass der Stoff in alle Richtungen dehnbar ist. Nachteilig ist, dass das Reißen einer Masche letztlich eine größere Laufmasche entstehen lässt.

Bekannte Textilien nach Querfadenart sind Feinripp (z.B. der Klassiker: Schiesser Feinripp) und Single-Jersey. Aus Querfadenware werden Unterwäsche, Strümpfen, Pullovern und Badeartikeln produziert.

Kettenware:
Im Gegensatz zur Querfadenware werden hier mehrere Fäden verarbeitet. Für jede Masche ist ein Faden erforderlich. Diese Verarbeitung macht die Ware nicht so dehnbar. Dafür kommt es aber auch nicht so schnell zu Laufmaschen. Man bezeichnet diese Ware daher auch als „maschenfest“. Die bekanntesten Arten sind Charmeuse und Jersey, der also aus beiden Strickarten entstehen kann.

In dieser Verarbeitungsform werden häufig Blusen, Kleider und Herrenhosen hergestellt.

Strickwaren sind sehr empfindlich, wenn es um das Waschen geht. Bei falscher Behandlung verziehen sie sich und verändern ihre Form.

Neben diesen bekannten Herstellungsprozessen für Textilien gibt es noch die Textilverbundwaren. Dazu zählen Filze, Vliesstoffe etc. Diese spielen in der Bekleidungsindustrie nur eine untergeordnete Rolle. Lediglich in der Schuhindustrie und bei Futterstoffen für Mäntel und Sportbekleidung stößt man auf diese Textilien.

Aber natürlich ist auch die Textilindustrie in einer stetigen Weiterentwicklung. Neben den Webe- und Strickwaren werden vor allem für die Sport- und Freizeitkleidung neuartige, hochwertige Textilien hergestellt. So kommen inzwischen immer häufiger mehrschichtige Textilien zum Einsatz. Diese Verbundstoffe sind mit einer hauchdünnen Folie, einer so genannten Membran versehen, die den Textilien einige Vorzüge verleiht. So sind sie wasser- und winddicht sowie kälteundurchlässig, dennoch atmungsaktiv. Kleidungsstücke aus derlei Textilien sollten bei maximal 40° C gewaschen werden. Auf Weichspüler sollte verzichtet werden, da er die Membran verkleben könnte. Die Oberstoffe dieser Kleidungsstücke können nach jedem Waschen neu imprägniert werden.

Schritt 3: Die Veredelung

Eine Veredelung wird i.d.R. an fertigen Geweben vorgenommen, um ihnen ein besseres Aussehen zu verleihen und ihren Gebrauchswert zu erhöhen.

Bleichen:
Naturstoffe haben zunächst einen gelblichen oder grauen Ton. Die blendendweiße Farbe erhalten die Gewebe durch das Bleichen mit chlor- oder sauerstoffhaltigen Mitteln.

Färben und Bedrucken:
Das Färben kann in der Faser, im Garn oder im Gewebe erfolgen. Eine absolute Farbechtheit gibt es nicht. Man unterscheidet kochecht, waschecht, lichtecht und wetterecht.

Das Bedrucken erfolgt entweder per Filmdruck, indem mit Hilfe von Schablonen die Farbe aufgedruckt wird. Oder per Ätzdruck,  wo dem vorher gefärbten Stoffen Pasten aufgedrückt werden, die letztlich kleine Muster herausätzen. Im Vergleich zu Färbungen sind Drucke nicht kochecht und verblassen schneller.

Rauen:
Um Stoffe aus Wolle, Baumwolle oder Viskose wärmender zu machen, können diese ein- oder beidseitig aufgeraut werden. In der Regel macht diese Veredlung diese Stoffe zudem weicher.

Mottensicher machen:
Wollkleidung wird häufig mit Eulan oder Mitin behandelt. Dies sind Mittel, die wie ein Farbstoff auf die Fasern aufgebracht werden, damit das Gewebe für Motten ungenießbar wird. Das Ergebnis ist resistent gegenüber Waschen, oberflächliches Reinigen, sowie Licht- und Schweißeinwirkung.

Sanforisieren:
Durch das Spannen der Fäden beim Weben, laufen die fertigen Textilien später häufig wieder ein, weil sich die Fäden auf ihre ursprüngliche Länge zurückziehen. Dies lässt sich durch die Bahandlung der Stoffe mit Wasser und Hitze verhindern. Mit Sanfor-Plus ausgewiesene Textilien laufen nicht ein und sind pflegeleicht.

Prägen:
Prägedrucke sind erhöhte Muster auf Kleidungsstücken. Sie sind waschbeständig, erfordern aber vorsichtiges Bügeln.

Fixieren:
Unter Fixieren versteht man das dauerhafte Einbringen von Falten in Textilien aus Wolle oder Chemiefaser – entweder chemisch oder durch heiße Luft. Anschließend sind diese Falten wasch- und reinigungsbeständig.

Mercerisieren:
Um Baumwolle mehr Glanz zu verleihen, kann die Faser mit Natronlauge behandelt werden. Durch gleichzeitiges Strecken entsteht eine glattere und somit glänzendere Oberfläche. Dieser Glanz ist waschbeständig und die Textilien reißfester, wenn auch weniger dehnbar.

Knitterarm machen:
Je nach verwendetem Rohstoff, können stark knitternde Textilien mit Kunstharzen oder bestimmten Chemikalien behandelt werden. Dadurch erhalten die Hohlräume zwischen den Fasern  mehr Stabilität, was letztlich die Elastizität erhöht. Neben reduziertem Knittern bringt dieses Veredelungsverfahren eine Unempfindlichkeit gegenüber Verschmutzungen mit sich. Die Textilien sind leichter zu waschen und trocknen im Anschluss schneller. Macht spricht daher von „pflegeleichten“ Stoffen.

Walken:
Das Walken verleiht Wolle und Wollgemischen mehr Dichte und Geschlossenheit, weil durch dieses Kneten und Stauchen absichtlich ein Verfilzen der Fasern bewirkt wird.

Imprägnieren:
Imprägnieren stellt das Auftragen von chemischen Mitteln, die Wasser abstoßend sind, dar. Die Luftdurchlässigkeit des Gewebes bleibt dabei aber erhalten.

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