Pierre Cardin – Der Mann mit dem Imperium

am 21. Dezember 2010

Falsche Bescheidenheit ist nicht die Sache eines Pierre Cardins. In einem Interview 2007 stellte er fest: „Aber ich bin doch immer noch der einzig Innovative auf der ganzen Welt! Alle kopieren mich.“ Mit 89 Jahren ist der französische Modeschöpfer wohl der Mensch, der am längsten im Modegeschäft tätig ist. Und das Lebenswerk, auf das der Sohn eines Weinhändlers zurückblicken kann, ist atemberaubend, was Vielseitigkeit und Umfang angeht.

Am 7. Juli 1922 erblickte der kleine Pierre als jüngstes von sieben Kindern das Licht der Welt. 88 Jahre später hat er – nach über zehnjähriger schöpferischer Pause – die Welt erneut mit einer seiner Modekollektionen beeindruckt. Die Jahre zwischen Geburt und heute füllte er mit einer Karriere, die ihresgleichen sucht.
Bei Paquin in Paris machte Cardin seine ersten beruflichen Schritte als Modezeichner. Einige Jahre später war er bei Christian Dior angekommen und erfand 1947 den so genannten ‚New Look’, dessen klare Linien noch immer ein typisches Merkmal seiner kreativen Handschrift sind. Ein Jahr zuvor hatte er übrigens die fantasievollen Kostüme für Jean Cocteaus Klassiker „La Belle et le Bête“ entworfen. Pierre Cardin war auch der erste große Modemacher, der eine eigene Herrenlinie herausbrachte.

Als Visionär entwarf er in den sechziger Jahren mit Kollegen Paco Pabanne eine futuristische Mode, wie die Welt sie noch nicht gesehen hatte. Wenig später entwickelte er mit dem Architekten Antti Lovag den „Blasenpalast“ (Palais Bulles), sein spektakuläres Zuhause in der Nähe von Cannes. Auf einem 8500 Quadratmeter großen Gelände steht dieses ockerfarbene Monument aus futuristischen Blasen mit einem Amphitheater für 500 Menschen, einem Panoramasaal und zehn Suiten mit Blick aufs Mittelmeer.
Die Schöpferkraft des eher unauffällig wirkenden Brillenträgers kennt keine Grenzen. Er entwarf die Uniformen für die chinesische Armee, die Post und Polizei, er designte neben dem AMC Javelin noch zwei weitere Autos, aber auch Besteck, Keramik und Möbelstoffe. Auch Theater und Restaurants, wie das weltberühmte Maxim’s, gehören ihm. Mittlerweile gehören dem Franzosen unglaubliche 800 Firmen in 180 Ländern, in denen er 200.000 Mitarbeiter beschäftigt. Außerdem ist er Besitzer von 18 Restaurants und vier Theatern. Er besitzt des weiteren Hotels und Schlösser und ist stolz darauf, nie Anteile seines Unternehmens verkauft zu haben und nie zu einer Holdinggesellschaft gehört zu haben.

Das Wort „Ruhestand“ gibt es in Pierre Cardins Vokabular nicht. Eines seiner ambitioniertesten Projekte startete er jenseits seiner Achtziger. In dem verschlafenen Bergnest Lacoste (es besteht kein Zusammenhang mit dem gleichnamigen Modelabel) kaufte er kürzlich vierzig Häuser und will die südfranzösische Gemeinde zum „Saint Tropez der Kultur“ machen. Er plant Festspiele und Ausstellungen und investierte bereits 22 Millionen Euro, unter anderem in die Renovierung des örtlichen Schlosses, das einmal Marquis de Sade gehörte.
Ein Großteil der 415 Einwohner Lacostes ist jedoch empört über das Verhalten Cardins, der mit seinem „feudalen“ Auftreten die Interessen der Anwohner mit Füßen trete und die lokalen Immobilienpreise in die Höhe treibe. Eine in Lacoste gegründete Bürgerinitiative gegen sein Projekt sieht unter anderem im fortgeschrittenen Alter des Kunstmäzens ein Problem. Was wird nach dem Tod des Modeschöpfers aus seinem Mammutprojekt, fragt man sich. Betrachtet man jedoch das schier unüberschaubare Lebenswerk des Machers, ist es schwer vorstellbar, dass er sich jemals zur ewigen Ruhe legen wird, ohne seine Vision ganz bis zum Ende geführt zu haben.

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