Nino Cerruti – Stoff für ein ganzes Leben

am 24. Januar 2011

Auch wenn Nino Cerruti persönlich seine letzte Kollektion für Cerruti für die Saison Frühling/Sommer 2002 auf den Laufsteg schickte, trägt das Label noch immer seinen persönlichen Stempel: klassischer Stil, luxuriöse Materialien und edle Businessmode.

Cerruti, 1881, Designer, Herrenmode
Nino Cerruti © Lanificio Cerruti

Nino Cerruti (geb. 25.9.1930) wurde das Thema Stoffe und Mode quasi in die Wiege gelegt. Sein Großvater und dessen beiden Brüder hatten im italienischen Biella die Stofffabrik Lanificio Fratelle Cerruti gegründet. Seit seinem zehnten Lebensjahr ließ Ninos Vater, der als Kaufmann im Familienbetrieb arbeitet, den kleinen Nino einen Monat pro Jahr in der Stofffabrik arbeiten. Nach dem frühen Tod seine Vaters stand Nino Cerruti bereits mit 20 Jahren vor einer der wichtigsten Entscheidungen seines Lebens: Sollte er das Lebenswerk seiner Vorväter weiterführen? Er entschied sich für den mutigen Schritt, brach sein Studium ab und trat ins Familienunternehmen ein. Seit Anfang der 50er Jahre versuchte Nino sich auch als Designer und bewies dabei großes Stilgefühl. Im Jahr 1957 präsentierte er seine erste Kollektion.

Für seine Mode wurde Nino Cerruti zahlreich ausgezeichnet und Ende der 60er Jahre eröffnete er seine ersten Boutiquen in Italien, Frankreich und Deutschland. Sein Label „Cerruti 1881“ ist übrigens eine Hommage an das Geburtsjahr seinen verstorbenen Vater.
Nino Cerruti verstand es, Talent zu erkennen und zu fördern: Für seine erste Strickwaren-Kollektion hatte er den jungen Modedesigner Giorgio Armani zur kreativen Mitarbeit verpflichten können. Erst Mitte der 70er Jahre folgte Cerrutis erste Damenkollektion und sein erstes Parfüm, das seinen Namen trug.

Nino Cerruti folgte immer wieder dem Ruf nach Hollywood. So entwarf er die Garderobe für Julia Roberts und Richard Gere in „Pretty Woman“ (1990) und schneiderte Denzel Washington in „Philadelphia“ (1993) den feinen Zwirn auf den Leib. Im Jahr 2000 verkaufte Nino Cerruti 51 Prozent seines Unternehmens an die italienische Investorengruppe Fin.Part. Es soll zu Unstimmigkeiten über den Markenausbau und die Qualitätssicherung gekommen sein. Dies war jedoch nicht der einzige Grund, warum er als Unternehmensgründer sein Label schließlich verließ. Cerruti sagte in einem Interview: „Ein wesentlicher Grund für meinen Rückzug war die Mode an sich. Wo finden Sie sonst so viel Oberflächlichkeit, Egozentrik, so viel Lärm um nichts? Eine derartige Ignoranz?“

Heute widmet er sich in seiner Weberei in Biella wieder ganz der Herstellung von Stoffen, mittlerweile nicht nur für die Modeindustrie, sondern auch für die Wohn- und Designbranche. Währenddessen wurde im Dezember bekannt, dass sein Label Cerruti zu 100 Prozent von seinem chinesischen Lizenznehmer Trinity Ltd übernommen wird.

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