Die Armbanduhr – Vom Aussterben bedroht?

am 8. Februar 2011

Haben Sie kürzlich mal jemanden nach der Uhrzeit gefragt? Geschätzte 80 Prozent der Befragten fangen zur Beantwortung Ihrer Frage an, in den Untiefen ihrer Tasche nach dem Handy zu kramen. So wie die Armbanduhr einst die Taschenuhr verdrängte, könnte nun dem umschnallbaren Chronometer das gleiche Schicksal drohen.

Armbanduhr, Joop, Accessoire
Runde Armbanduhr von Joop!

Es gab eine Zeit, da war die Übergabe einer Armbanduhr von Vater an den Sohn eine Art Initiationsritus. Vaters Armanduhr wurde gehütet wie ein Augapfel. Das wissen wir spätestens seit Christopher Walkens bewegender Rede in Pulp Fiction.
Immer weniger Männer tragen heute noch eine Armbanduhr. Das mag damit zu tun haben, dass der Trend zu multifunktionalen elektronischen Gerätschaften geht und vielen eine Uhr einfach zu eindimensional ist.
Finden wir schade! Denn neben der Uhrzeit verrät eine Uhr auch einiges über den modischen Stil eines Mannes. Legt er Wert auf Hightech oder sportlich robuste Verarbeitung? Will er mit dem guten Stück vielleicht sogar Tauchen können? Liebt er es traditionell oder futuristisch? Zurückhaltend oder protzig? Die Armbanduhr ist eines dieser Details, mit dem Sie diskret ein Statement setzen können.

Für die Schweizer Uhrenindustrie ist dieser Trend weg von der Armbanduhr ein echtes Problem. Schweizer Uhren und Taschenmesser – das war einmal ein Qualitätsprodukt, das seit Generationen für sichere Exporteinnahmen sorgte. Im Jahr 2009 sank aber die Zahl der exportierten Uhren aus der Schweiz um erschreckende 31,1 Prozent. Bei den Uhren aus Gold, bisher eine sichere Bank für die Schweizer Uhrenhersteller, ging der Export um 29,8 Prozent zurück. Am wenigstens betroffen waren Uhren im Preissegment zwischen 200 und 500 Euro. Hier verschlechterten sich die Verkäufe nur um 5 Prozent. Bei den Uhren mit einem Verkaufspreis über 500 Euro waren es jedoch schon 23,2 Prozent, bei den preisgünstigeren Exemplaren unter 200 Euro sogar erschreckende 37 Prozent Exportrückgang.
Vor allem die USA ist als Absatzmarkt stark eingebrochen, während es gleichzeitig in gewissen asiatischen Ländern sogar zu leichten Anstiegen kam.
Insgesamt erlebte die Schweizer Uhrenindustrie jedoch den dramatischsten Exporteinbruch seit 50 Jahren. Die Einnahmen sanken um über vier Milliarden Euro pro Jahr.

Es bleibt nur abzuwarten, ob sich der Markt der Luxusgüter mit einem allgemeinen Aufschwung wieder erholen kann, oder ob für den qualitativ hochwertigen und modisch wertvollen Zeitmesser bald das letzte Stündlein geschlagen hat.

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