Der Regenschirm – Gerne mit Stock, aber nicht stocksteif

am 22. Juli 2011

Es gibt Accessoires, die sind in unseren Zeiten des Pragmatismus fast ausgestorben. Um manche ist es schade, wie um den klassischen Stockschirm. Er verleiht dem Träger eine Aura des distinguierten Gentlemans, die man mit einem Knirps nur schwer erreichen kann.

Der Regenschirm war in seinen Anfängen eigentlich nur ein wenig beachteter Ableger des wahren Stars: Dem Sonnenschirm. Dieser war, als ‚mobiler Ableger’ des royalen Baldachins, prachtvolles Zeugnis von Status und Wohlstand. Die feinen Damen des Adelstandes, beispielsweise, schützten ihre noble Blässe mit Schirmen aus feinster Spitze. Noch im Jahr 1860 wurden in Wiener Schirmfabriken noch zwei Drittel Sonnenschirme hergestellt und nur ein Drittel Regenschirme.

Der Regenschirm kam in Europa nur spät in Mode. Erst Ende des 17. Jahrhunderts ist die Verwendung des Schirms verbindlich dokumentiert. Seine Wurzeln hat der Regenschirm in China, wo ein Grundgerüst aus Bambus mit Ölpapier bespannt wurde. Der zusammenklappbare Regenschirm, wie wir ihn heute kennen, wurde sogar erst im Jahr 1928 zum Patent angemeldet.

In England, das man wegen der klimatischen Bedingungen für Vorreiter des Schirmtragens halten sollte, tat man sich mit dem Wetterschutz sogar besonders schwer. Die ersten Schirmträger waren Hohn und Spott ausgesetzt. Doch Vertreter des Dandytums schützten ihre gepflegte Erscheinung hartnäckig weiter mit Regenschirmen, bis diese sich durchsetzten und neben dem Bowler-Hut zum perfekten Erscheinungsbild des britischen Gentlemans zwingend dazugehörten.

Noch heute ist der Beruf des Schirmmachers ein Handwerk, das man in einer dreijährigen Ausbildung erlernen kann. Allerdings gehört dieses in Zeiten der Industrialisierung zu den aussterbenden Berufen. Im italienischen Gignes hat man dem Schirm sogar ein Museum gewidmet.

Wer heute noch einen Stockschirm trägt, der legt als bewusster Schirmträger Wert auf beste Verarbeitung. Geschnitzte Griffe aus Elfenbein kommen hierbei natürlich nicht mehr zum Einsatz. Hochwertiges Holz und elegante Verarbeitung im Detail macht aber den modischen Appeal eines Schirmes aus. Farblich entscheidet sich der Mann von Welt bei der Bespannung für gedeckte Farben. Angesichts des trüben Sommers 2011 finden wir, Sie können ruhig wieder einmal zum Stockschirm greifen. Mit einem Lied auf dem Lippen und dem richtigen Schwung verbreitet man damit nicht nur wie Gene Kelly im Filmklassiker „Singing in the Rain“ gute Laune.

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