Schon gewusst, dass ein Engländer die Haute Couture in Paris begründete?

am 19. August 2011

Franzosen und Engländer sind sich bekanntermaßen nicht ganz grün. Da mag manchem Modefreund an der Seine eine bittere Träne auf sein Designerhemd kullern, wenn er erfährt, dass ausgerechnet ein Engländer den Grundstein zur ‚Haute Couture’ legte, und zwar in Paris.


Charles Worth © Wikipedia

Charles Frederick Worth (1825-1895) gilt als Erfinder und Vater der Haute Couture. Bevor er als erster echter Modedesigner, der seine Schöpfungen sogar bereits mit einem Label versah, zu Werke ging, waren Schneider Handwerker von geringem Ansehen. Die Damen von Welt kamen mit edlen Stoffen zu ihnen und ließen sich nach persönlichem Geschmack und Mode Kleider schneidern. Der Kleidermacher war im Grunde nichts weiter als Befehlsempfänger.

Charles Worth hatte in London das Handwerk des Tuchverkäufers gelernt, bevor er nach Paris auswanderte. Er stieg in das renommierte Tuchgeschäft Gagelin & Opigez ein, wo er auch seine Ehefrau, Marie Vernet, kennen lernte, die dort unter anderem als Model Schals vorführte. Worth begann für seine Frau Kleider zu entwerfen und zu nähen. Von seinen Entwürfen waren die Kundinnen von Gagelin & Opigez so angetan, dass er schließlich auch für sie Kleider schneiderte. Worth, der inzwischen zum Juniorpartner in der Firma aufgestiegen war, regte an, das Geschäft zu erweitern und auch Mode anzubieten. Seine Partner ließen sich nicht auf den Vorschlag ein, da sie wegen der als ehrenrührig geltenden Näherei um ihren Ruf als Tuchmacher fürchteten.

In dem wohlhabenden Schweden Otto Bobergh fand Worth einen mutigeren Mitstreiter, der seine Pläne finanzierte. Schnell feierte der ebenso kreative wie gewitzte Worth Erfolge. Die letzte Kaiserin Frankreichs, Eugénie de Montijo, trugen seine Kreationen, ebenso wie die berühmte Courtisane Cora Pearl, Schauspielerin Sarah Bernhard und die Sängerin Nellie Melba. Sogar aus den USA reisten Frauen an, um sich von Worth einkleiden zu lassen.

Vier Mal pro Jahr stellte Worth eine kleine Kollektion für seine Kundinnen her, die er in einer Modenschau präsentierte. Das Grundmodell wurde für die Damen nach Wunsch leicht abgewandelt und auf den Leib geschneidert. Dabei begeisterte er vor allem mit Stoffen von höchster Qualität und einer Passform, die ihresgleichen suchte. Auch vereinfachte er die Mode seiner Zeit und hielt sich zurück, was Rüschen und übertriebene Verzierungen anging. So setzte er in der Mode neue Trends. Charles Worth galt, wie viele seiner heutigen Designer-Kollegen, als großer Exzentriker und verstand sich selbst als Künstler.

Bis endlich auch die Herrenmode ihre eigenen Haute Couture Kollektionen bekam, sollten noch viele Jahrzehnte vergehen.

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