Füllfederhalter – Versiegt die Tinte bald ganz?

am 25. August 2011

In den Vierzigern und Fünfzigern war der Füllfederhalter das alltäglichste Schreibgerät und stilvolles Accessoire des Manns von Welt. In Zeiten von e-mails und SMS gibt es für viele nur noch selten eine Gelegenheit, zur Feder zu greifen. Schade, schade, finden wir, wenn man sich das edle Design und die technische Finesse vieler Füllfederhalter anschaut.

Füllfederhalter sind mehr als irgendein Kuli, mit dem man die Einkaufsliste auf die Rückseite eines Briefumschlags kritzelt. Das Schreiben mit einem hochwertigen Füllfederhalter hat Stil und Würde. Wann haben Sie sich das letzte Mal hingesetzt und einen Brief auf hochwertigem Papier geschrieben? Wann haben Sie das letzte Mal so einen Brief erhalten? Wann haben Sie so stilvolles Schreibgerät das letzte Mal elegant aus der Innentasche Ihrer Anzugsjacke gezaubert?

Mit Füllfederhaltern werden Staatsverträge unterschrieben und mehr oder weniger Tiefsinniges in goldenen Bücher verewigt. Mit Füllfederhaltern verbinden viele Menschen Erinnerungen und besondere Momente, die sie über Jahrzehnte hinweg gesammelt haben. So kann man auch die Trauer von Hans-Dietrich Genscher verstehen, dem bei einem Einbruch Anfang diesen Jahres sein Füllfederhalter gestohlen wurde, mit dem er unter anderem den Zwei-plus-Vier-Vertrag unterzeichnet hat. Der unwiederbringliche Verlust symbolisiere für ihn einen Teil seines Lebens, kommentierte Genscher.
Hat man so schon jemanden über sein Keyboard reden hören, in das er seine E-mails hämmert?

Das Schreiben mit Federn aus einem Gänsekiel kennt man schon viele Jahrhunderte lang, doch war es immer ein mühsame Unterfangen. Der Tintenfluss war ungleichmäßig und es war oft eine einzige Kleckserei. Seit dem 17. Jahrhundert experimentierte man an der Erfindung eines effektiveren Schreibgeräts. Zunächst mussten Elemente wie die Goldfeder oder die Iridiumspitze entwickelt werden, bevor um 1880 endlich mit der Massenproduktion von Füllfederhaltern mit internem Tintenreservoir begonnen werden konnte.

Besonders erfolgreich waren hier in den USA Hersteller wie Waterman, Parker, Sheaffer und Wirt. Noch heute sind ihre Füllfederhalter beliebtes Schreibgerät und Sammlerstück gleichermaßen. Die teuersten Füllfederhalter, die Kultstatus innehaben, stellt wohl das Hamburger Unternehmen Montblanc her. Ihr ‚Black Diamond’ geht nur an ausgewählte Kunden für über 120.000 Euro über die Ladentheke.

Wir finden es schade, wenn Füllfederhalter nur noch wie Museumsstücke gehandelt werden. Greifen Sie doch wieder einmal zur Feder und üben Sie ihre tastatur-geplagten Finger in Schönschrift – so lange es die Schreibschrift noch gibt! Die Vermittlung der Schreibschrift in Grundschulen steht momentan nämlich an der Kippe. Die Kinder sollen sich nur noch in Blockbuchstaben üben. Da fällt später auch das Suchen auf der Tastatur leichter…

Vorheriger ArtikelSchon gewusst, dass ein Engländer die Haute Couture in Paris begründete? Nächster ArtikelBrioni ist bald nur noch Männersache