Tweed – ein geschichtsträchtiger Stoff

am 16. November 2011

Der Tweedmantel kommt wohl nie aus der Mode. Die interessante Struktur und subtile Mehrfarbigkeit des Gewebes machen in zu einem zeitlosen Klassiker. Auch in diesem Winter liegt man mit einem Mantel oder Jackett in Fischgrat- oder Hahnentrittmuster richtig.

Manchmal haben kleine Ideen große Folgen. Mit der Erfindung des fliegenden Schiffchens in der Weberei wurde im England des Jahres 1733 mal eben die industrielle Revolution angestoßen. Dieses Schiffchen beschleunigte den Webprozess gewaltig und im Laufe des Jahrhunderts entstanden die großen Webereien, die in Großbritannien für gewaltige soziale Umwälzungen sorgten.

Schottland und Yorkshire wurden zu den bedeutendsten Herstellern des hochwertigen Tweedstoffes, der in die ganze Welt exportiert wurde. Die genauen Wurzeln des Tweeds liegen im Dunkeln.
Der schwere Wollstoff hielt die Arbeiter schon vor vielen hundert Jahren auch bei unwirtlichen Temperaturen und regnerischem Wetter warm. In den britischen Zentren der Tuchindustrie entwickelte man immer leichtere und feinere Stoffe. Irgendwann entdeckte der Landadel das traditionsreiche Stöffchen für sich. Wer etwas auf sich hielt, trug Tweed auf der Jagd oder beim Fliegenfischen.

Kaum ein anderer Stoff wird so mit britischer Lebensart verbunden wie der Tweed. In keinem anderen Land verstand man sich so gut auf das Weben des Tweeds. Besonders in Schottland entwickelte man auch die verschiedenen Muster, die man noch heute zum Teil bestimmten Familien zuordnen kann. Wer auf sich hält, trägt auch noch heute die unübertroffene schottische Qualitätsware. Aber die Massenproduktion aus Billiglohnländern hat der britischen Textilindustrie massiv geschadet.

Fälschlicherweise hält man den schottischen Fluss Tweed gelegentlich für den Namensgeber des Grundmaterials für Mäntel und Jacketts. Es handelt sich jedoch um einen Übertragungsfehler eines Tuchhändlers. Tatsächlich nannte man den Stoff zunächst tweel (oder auch Twill), entsprechend seiner Webart.
Unabhängig davon ist und bleibt der Tweed einer der bevorzugten Stoffe für den Gentleman, der subtiles Understatement zu schätzen weiß.

Vorheriger ArtikelCaps - modische Mütze oder Accessoire für Hinterwäldler? Nächster ArtikelDie randlose Brille: Der (fast) unsichtbare Anpassungskünstler