Die randlose Brille: Der (fast) unsichtbare Anpassungskünstler

am 29. November 2011

Brillen schätzen wir, neben ihrer primären Funktion als Sehhilfe, auch wegen ihrer modischen Ausdrucksstärke. Eine Sonnebrille von Ray Ban gibt diesen Hauch Verwegenheit, eine Hornbrille vermittelt die Aura des Intellektuellen mit Hipster-Appeal. Ganz unaufgeregt und nicht gerade ausdrucksstark kommt da die randlose Brille daher – und genau diese Unauffälligkeit ist ihre wahre Stärke.

Für viele von uns sind Brillen ein notwendiges Muss. Während die einen aus der optischen Not eine modische Tugend machen, zu auffälligen Modellen greifen und die Brille zum Accessoire deklariert, sucht der andere bei der Sehhilfe nach möglich viel Transparenz. Die noble Zurückhaltung im Design ist die größte Stärke der randlosen Brille. Im besten Fall wird sie kaum wahrgenommen, lenkt nicht vom Gesicht ab und passt sich nahtlos jedem Kleidungsstil an.

Wir empfehlen bei der randlosen Brille auch bei den Bügeln konsequent Zurückhaltung im Design zu üben. Je weniger eine randlose Brille auffällt, umso besser.
Träger von randlosen Brillen wissen auch zu schätzen, dass das Sichtfeld nicht durch einen massiven Rahmen eingeschränkt wird und dass das Gewicht der randlosen Brille deutlich geringer ist. Durch die Verwendung von Materialien wie Titan besteht auch kein Grund mehr zur Befürchtung, dass die Stabilität durch die ‚Leichtbauweise’ leiden könnte.

Im weitesten Sinne randlos waren auch die ersten Lesehilfen. Es handelte sich um ‚Lesesteine’, die vor allem für Gelehrte und Mönche des Mittelalters die Schreibarbeit erleichtern sollten. Die ersten geschliffenen Augengläser wurden aus Bergkristall hergestellt, genauer gesagt handelte es sich um Halbedelsteinen aus der Gruppe der Beryllen. Hieraus entwickelte sich der Name ‚Brille’.

Der Wirtschaftshistoriker David S. Landes bezeichnet die Brille übrigens als eine der fünf wichtigsten Erfindungen des Mittelalters! Zunächst verbreiteten sich die Brillen gegen Alterssichtigkeit. Ließ die Sehkraft von Handwerkern damals nach (häufig ab dem 40. Lebensjahr), konnten diese ihre Erfahrung nicht mehr voll produktiv auf dem Arbeitsmarkt einsetzen. Ein enormer wirtschaftlicher Verlust an erfahrenen Arbeitskräften. Mit der Brille war das Problem gelöst! Manch einer konnte locker 20 Jahre im Job dranhängen. Und das nur wegen seiner Sehhilfe.
Auch erleichterten die Brillen (und Vergrößerungshilfen) nicht nur das Herstellen von feineren Instrumenten, sie förderten auch deren Entwicklung erst so richtig und machten so zahlreiche Erfindungen nur möglich. Wenn Sie also das nächste mal zur Brille greifen, denken Sie daran: Kleines Augenglas, große Wirkung!

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