Schon gewusst, dass Ponchos Geschichten erzählen können?

am 25. Januar 2012

In gewisser Weise kommunizieren wir alle durch unsere Kleidung. Wir demonstrieren unseren Geschmack, unsere Gruppenzugehörigkeit, unseren Status – zumindest den, den wir gerne hätten. Mit Mode wollen wir zeigen, wer wir sind oder gerne wären. Das gilt heute genau so wie früher. Selbst für eines der schlichtesten Kleidungsstücke, das man sich vorstellen kann: Den Poncho.

Einfacher als ein Poncho kann ein Kleidungsstück nicht gestaltet sein! Man nehme ein rechteckiges Stück Stoff, versehe es mittig mit einem Schlitz, durch den man den Kopf stecken kann – voilà, der Poncho! Auch sein Name ist einfach und bedeutet in der Indiosprache Quechua schlicht und ergreifend „Decke“.

Trotzdem spricht der Urvater des Capes und der Pelerine eine beredte Sprache. Durch Muster, Färbung und Anordnung der Designs verriet man in seinem Ursprungsland früher eine Menge über sich. Vergleichbar dem Kilt sagten die Farbbänder, die Anreihung der Farben und Muster etwas über den gesellschaftlichen Status des Trägers, seine Herkunft und seine Familienzugehörigkeit aus.

Bis heute ist der Poncho ein landestypisches Kleidungsstück. Er ist ebenfalls ein nicht zu unterschätzendes Exportgut des Tourismus. Die chilenische Variante des Ponchos, der Chamanto, zeichnet sich durch eine weitere Eigenheit aus. Er ist von beiden Seiten durchgearbeitet und lässt sich wenden. Es gibt in der Regel eine dunkle Seite, die tagsüber getragen wird, und eine helle Seite, die man nachts zur Schau stellt. Auch hier verraten die kunstvollen Muster einiges über die Herkunft des Trägers.

Soll der Poncho nicht nur kleiden und wärmen, sondern auch vor Regen schützen, ist er häufig mit Riegeln versehen, um das Kleidungsstück seitlich zu schließen. In unseren Breitengraden kennt man den Poncho eigentlich nur als Regenschutz aus wasserdichtem Material. Aber wer weiß, ob er es nicht in einer der kommenden Saisons im Rahmen eines Folklore-Revivals auch einmal auf die internationalen Laufstege schafft. Das schöne an der Mode ist ja, dass sie immer wieder für Überraschungen und die Widerauferstehung von Totgeglaubten gut ist!

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