Der Janker – Alles andere als eine olle Klamotte

am 27. Januar 2012

Der Janker gehört genau so zur bayrischen Tracht wie die Lederhose. Das gute Stück ist nur nicht optisch ein Hingucker, sondern kann in Sachen Tragekomfort mit modernsten Fasern mithalten. Grund genug, uns den Klassiker ein wenig genauer anzuschauen.

Mit der bayrischen Tracht werden Deutsche weltweit fast automatisch in Verbindung gebracht. Die Lederhose mit Janker und Gamsbart sind an Traditionsträchtigkeit kaum zu überbieten. Der Begriff „Tracht“ heißt von der ursprünglichen Wortbedeutung her übrigens nichts weiter als die Kleidung, die man „trächt“ – pardon „trägt“.

Der Begriff Janker bezeichnet klassischerweise eine Jacke aus Lodenstoff, bevorzugt in anthrazit oder tannengrün. An Säumen, Kanten und Tascheneingriffen ist der Janker mit Paspeln eingefasst. Die Jacke ist kragenlos und schließt am Hals mit einem schlichten Steg ab. Im Rücken sorgt eine Quetschfalte für bequemen Sitz und Bewegungsfreiheit. Eine Rückenschlaufe mit zwei Knöpfen rafft die tiefe Falte im Rücken leicht und wird als „Dragoner“ bezeichnet. Die Knöpfe des Jankers können aus Hirschhorn bestehen, oder aus geprägtem Metall. Letztere sind häufig reich mit Ornamenten verziert.

Was den Tragekomfort und die Materialqualität angeht, muss sich der Lodenstoff, auch Walkloden genannt, aus dem der Janker traditionell gemacht ist, nicht verstecken. Loden besteht aus 100% Schafswolle, die mit Lauge behandelt, gekocht und gewalkt wurde. Dadurch wird das Volumen um 40% reduziert. Die Wolle kann dadurch viel Feuchtigkeit aufnehmen und wirkt besonders temperaturausgleichend. Der Walkloden ist in seinen positiven Trageeigenschaften durchaus mit der modernen Mikrofaser zu vergleichen.

Jenseits des Oktoberfestes und des Weißwurstäquators fällt man in voller bayrischer Montur auf jeden Fall auf. Das ist in vom Träger nicht unbedingt gewünscht. Wir finden jedoch, modische Akzente lassen sich mit dem traditionsreichen Gewand, das der Janker darstellt, prima setzen. Der jugendliche Träger kann den Janker gerne zur Jeans kombinieren. So wird das Trachtenelement zum Modestatement, das Traditionsbewusstsein und Weltoffenheit gleichermaßen transportiert. Beim etwas reiferen Herren, der eventuell auch nicht mehr ganz bauchfrei ist, ist es wichtig, den Janker mit einem Sinn für Stil und Ironie zu kombinieren. Sonst wirkt er auch in Kombination zu aktuelleren Kleidungsstücken schnell behäbig bis reaktionär. Wenn sie sich für das Traditionsstück entscheiden, dann bitte immer auch mit einem kleinen Augenzwinkern!

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