Smoking & Zigarre

am 28. Dezember 2009

Muy Sres, werte Herren, das letzte der Nullerjahr ist am ausklingen. Während die feierlaunigen Spanier mit dem nötigen Suelto (Kleingeld) das Jahr auf einem Cotillón begießen, vergnügt sich der modische Nordeuropäer  lieber auf dem nicht minder stilvollen Silvesterball.

Dabei sollte der Caballero (Gentleman) in diesem Jahr besonders auf sein Äußeres und ein (Rauch)Zeichen setzendes Accesorio achten. Der pfiffige Leser ahnt es womöglich; steht ein eleganter Ball zur Jahreswende an, so sollte der Gentlemen nicht lange überlegen, was er den als vestido de etiqueta (Abendgarderobe) wählt. Der esmoquin (Smoking), akzentuiert – pur, aber prätentiös – mit einer Puro (Zigarre) kann hier nur die einzig richtige Wahl sein.

z.B. ein Smoking von windsor
Foto: Herrenaustatter.de

There’s no king without smoking!

Zu den wenigen Dingen, die sich in der klassischen Galakleidung seit Mitte des 19. Jahrhundert halten, zählt der Smoking. Bei uns, den Briten („Dinner Jacket“) und den Amerikanern („Tux(edo)“). Zur royal-schwarzen Herrscherrobe gehören die passenden partyköniglichen Insignien.

Schon damals wusste sich der Mann von Welt zu distinguieren – er rauchte, weil Männer das nun mal taten. Er rauchte nicht irgendetwas! Nein, er rauchte eine Zigarre. Je dicker, desto besser. Und um sich an dem filterlosen, gerollten Tabak zu laben, begab er sich in einen Nebenraum, das Raucherzimmer. Dort war er unter seinesgleichen, die allesamt wie er, ein Jackett überstreiften, um die übrige Kleidung vor dem Rauch zu schützen.

Lange schon wird nicht mehr gewechselt. Der Smoking bleibt die ganze Zeit am Leibe, und die Zigarre lugt aus der Innentasche hervor. Erst recht, wenn sie sich in einem eleganten Etui befindet, eine Art Mini-Humidor to go.

Viel Rauch um nichts?

Ein Smoking wird erst dann zu einem Smoking, wenn der Gentleman Smokingjackett, Smokinghose, Smokinghemd (z.B. aus Plisseé, Baumweollpiqueé) (>> Stofflexikon), Schleife, Kummerbund, Weste, Einstecktuch, Socken und Schuhe passend zu kombinieren weiß. Anders Handelnde lassen das Umfeld wissen, dass sie nicht wissen, dass sie nichts wissen.

Wenn nun Zigarre dazu, dann bitte eine, bei der sich Qualität und Importkosten auf den Preis niederschlagen. Wir erfreuen uns täglich günstig an Papas (Kartoffeln), einem nicht mehr wegzudenkenden Mitbrinsel aus der Neuen Welt. Da darf man sich ab und an eben auch mal eine Habano (Zigarre) als Genussmittel aus der Neuen Welt dazu denken.

Was nichts kostet, ist nichts.

Wenn der Satz für etwas gilt, dann für Zigarren. Aufwendige Saat, Hege und Ernte, sowie die menschenhändige Komposition von Einlage und bestem Umblatt haben ihren Preis. Ein Trost sollte, nicht zuletzt, die Entwicklungshilfe sein, die man mit dem Erwerb von MonteCristo, Cohiba & Co. leistet; der Cubanero sitzt an einem sicheren Arbeisplatz und wird zeitgleich fortgebildet, weil man ihm aus Büchern und der Zeitung vorliest. Zwei Fliegen mit einer Cigarro!

Wo Rauch ist, ist auch Feuer 😉

Die Damen der Schöpfung tun die Zigarre doch allzu gern als Männerspielzeug und Phallusersatz ab. Ach, paperla paff! Wissen wir Männer spätestens seit George Bizets Oper Carmen um die Erotik des passionierten Paffens! Auch wenn das beschriebene Einrollen der Zigarre auf dem Schenkel der Dreherin dem Diktat der Produktivität zum Opfer gefallen sein mag; wer beim Genuss einer „Romeo y Julieta“ nicht an die hübsche Cubanera zu denken und im Rauche dieser Zigarre nicht die ihre Umrisse zu erkennen vermag – wie sie dort mit der zurückgestreiften Lockenpracht im goldenen Schein der untergehenden karibischen Sonne sitzt und jede Zigarre mit der gleichen Hingabe ihrer anmutigen Hände segnet – der sollte bei seiner Filterzigarette aus dem Discounter bleiben. Denn für die braucht man kein vorzeigbares Feuerzeug und auch nicht den obligatorischen Cutter, um das Endstück der Zigarre stilgerecht abzuschneiden.

In diesem Sinne: ¡Feliz aňo nuevo! – guten Rutsch in ein neues, modischeres Jahr!

Autor: GeK


Weiterführende Links:

– Wikipedia: Smoking

– Wikipedia: Zigarre

Zigarrenlexikon

– Schätze der Welt: Valle de Vinales – Wo die Habana wächst (inkl. Film)

– sueddeutsche.de: Havanna in vollen Zügen genießen

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