Schon gewusst, dass „metrosexuell“ und Männer-Make-up ganz alte Hüte sind?

am 4. Oktober 2013

Nur in der „guten alten Zeit“, behauptet mancher, waren Männer noch „richtige Kerle“. Diese Kritik müssen sich häufig Männer gefallen lassen, die gesteigerten Wert auf ihr Äußeres legen. Ein Urteil, das sich bei näherer Betrachtung so nicht aufrechterhalten lässt.

Männer, Schönheitspflege und Make-up sind nicht so unvereinbar wie mancher sein Gegenüber glauben machen will.

Schon ein Blick ins Tierreich verrät, dass auch männliche Wesen sich gerne reich geschmückt und farbenfroh präsentieren.

Neben einem männlichen Pfau oder einer farbenfrohen Stockente sieht die zugehörige Dame eher blass aus. Und die imposante Haartracht eines Löwen sorgt für einen spektakulären Auftritt.

Schaut man in die Menschheitsgeschichte zurück, so war es wohl immer ein Bedürfnis von Männern gleichermaßen wie von Frauen, sich zu verschönern. Bereits die Neandertaler machten sich wohl schick!

Über die Gründe kann man nur spekulieren. Aber bei Funden, die 50.000 Jahre zurück datieren, fand man unter anderem Muscheln, die als Kosmetikgefäße genutzt wurden. Darin waren gelbe und rote Pigmente ebenso zu finden, wie schwarze, reflektierende Partikel. Der Neandertaler schätzte demnach wohl einen farbenfrohen Glitzerlook.

Immer raffinierter wurden die Schminkmethoden. Im alten Ägypten verschönerten sich Männer wie Frauen mit einem dicken Lidstrich, der mit Kohlstiften aufgetragen wurde. Kupfer, Henna und zerstoßene Halbedelsteine wie Malachit wurden beispielsweise als Lidschatten aufgetragen.

Ab dem Jahr 4000 vor Christus findet man Informationen zur Schminkkunst auch in Schriften. Außerdem zeugen zahlreiche Behältnisse von einer weiten Verbreitung von Kosmetika.

Im Alten Testament wird die Verschönerung des Gesichtes erwähnt und im alten Griechenland galt eine Frau ohne Make-up quasi als nackt. Aber auch Männer legten viel Wert auf kunstvolle Frisuren. Wie im alten Ägypten versuchte man wohl durch das Streben nach einem Schönheitsideal eine Nähe zu den Göttern herzustellen.

Für den Versuch, besonders schön zu erscheinen, wurde oft ein hoher Preis bezahlt. So galt es im Mittelalter als erstrebenswert, besonders blass zu erscheinen. Dazu wurden giftige Pasten aus Blei und Arsen hergestellt. Mancher bezahlte seinen Schönheitswahn deshalb mit dem Leben. Selbst als bekannt wurde, wie gefährlich diese Mittelchen sein können, hielten viele daran fest.

Ein Phänomen begleitete Männer wohl durch die Jahrtausende: Die Sorge um das sich lichtende Haupthaar. Hiergegen wurde über die Jahrhunderte von Vogeldung bis zu Krokodilsekrete so ziemlich jedes Mittelchen an den Mann gebracht.

Die alten Römer versuchten es unter anderem mit Täuschungsmanövern: Sie malten sich kurzerhand Löckchen auf den kahlen Schädel. Julius Cäsar trug seinen Lorbeerkranz angeblich vor allem, um den sich zurückziehenden Haaransatz zu verbergen. Hannibal zog ohne Toupet und Ersatztoupet erst gar nicht in die Schlacht.

Männer und Schönheitswahn sind also eine ganz alte Geschichte. Was „richtige Kerle“ ausmacht, das bestimmt immer noch jeder für sich selbst. Packen Sie in Ihren Kulturbeutel also so viele Beautyprodukte, wie es Ihnen gefällt.

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