Ausstellung über Roger Viviers Lebenswerk: Der Schuh als Kulturgut

am 24. April 2014

Lloyd Veloursleder Leder Einlegesohle

Was haben Catherine Deneuve, die Beatles, Jackie Kennedy, Marlene Dietrich und Königin Elizabeth II gemeinsam? Sie alle „stehen oder standen“ auf Schuhwerk des legendären französischen Designers Roger Vivier. Das Schuhmuseum Offenbach widmet dem Franzosen nun eine ganze Ausstellung.

Überraschen Sie doch einmal die Frau an Ihrer Seite mit einem Ausflug in dieses die Epochen überspannende Schuhparadies. Dort werden insgesamt 15.000 (!) Ausstellungsstücke aus vier Jahrtausenden auf drei Etagen gezeigt. Bringen Sie sich am besten viel Zeit mit, um diese Menge an Schuhen zu entdecken. Unser Verdacht: Herrenschuhe sind dort in der Minderheit. Für diesen Besichtigungs-Marathon sollte die Liebste jedoch besser sportliches Schuhwerk mit bequemen Leder-Einlegesohlen statt ihrer High Heels tragen!

1907 wurde Roger Vivier in Paris in einfache Verhältnisse hineingeboren. Bereits als kleines Kind zum Waisen geworden, hatte er keinen leichten Start ins Leben. Doch Vivier ging unbeirrt seinen Weg. Zunächst studierte der künstlerisch begabte junge Mann Bildhauerei. Der Job in einer Schuhfabrik war eigentlich nur als Broterwerb geplant gewesen. Doch dann packte ihn die Faszination für modisches Schuhwerk und irgendwann entdeckten die größten Modedesigner jener Zeit sein Talent. Seine einzigartigen Schuhe waren wie kleine Skulpturen. Für Designer wie Yves Saint Laurent und Christian Dior waren sie die perfekte Ergänzung zu ihrer spektakulären Mode.

Den großen Durchbruch schaffte Vivier mit seinem modischen Beitrag zum Filmklassiker „Belle du Jour“. Catherine Deneuve trug darin seine zarten Schuhe, die mit einer großen Metallschnalle auf dem Vorderblatt verziert waren. Der Schuh sollte zu einem von Viviers Markenzeichen werden. Einen weiteren Meilenstein der Modegeschichte schuf Roger Vivier 1954 mit der Erfindung des Stiletto-Absatzes. Der hauchdünne Metallabsatz, der die Gesetze der Physik außer Kraft zu setzen schien, war nur durch die Anwendung neuester Erkenntnisse im Bereich der Metalltechnologie möglich.

Dem Schuhmuseum ist es sogar gelungen, das Frühwerk Viviers als Leihgabe für die Ausstellung nach Offenbach zu holen. Diese Meisterstücke aus seiner Frühphase in den 30 Jahren des 20. Jahrhunderts bekam die Öffentlichkeit bisher nur selten zu sehen.

Sie haben noch den ganzen Sommer Zeit, die Ausstellung zu bewundern. Zu sehen gibt es das Lebenswerk des begnadeten Designers nämlich noch bis zum 2. November 2014. Aber auch in der ständigen Ausstellung des Offenbacher Museums, das Teil des Deutschen Ledermuseums ist, gibt es jede Menge zu entdecken: Vom frühen Schnürsenkel und dem Schuhwerk von „Urmensch“ Ötzi über feinste Fußkleider des internationalen Hochadels bis hin zu den legendären Turnschuhen, in denen sich Joschka Fischer 1985 als Umweltminister vereidigen ließ, womit er für großes Rauschen im Blätterwald sorgte.

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