Der Mantel – Die Modelle

am 27. Januar 2010

Jacken und Herren-MÀntel in ihren verschiedenen Formen gibt es bereits seit dem 14. Jahrhundert. ZunÀchst waren sie nur eine zweckdienliche ErgÀnzung der tÀglichen Garderobe zum Schutz vor Wetterwidrigkeiten wie Wind, KÀlte und Regen. Entsprechend robust ist oft auch heute noch das gewÀhlte Material. Inzwischen jedoch erreicht man auch modische Perfektion erst mit der richtige Ummantelung.

Mantel, hell, Trenchcoat

Der Unterscheid zwischen einer Jacke und einem Mantel liegt im Übrigen in der jeweiligen LĂ€nge. Jacken gehen in der Regel nicht ĂŒber das GesĂ€ĂŸ hinaus, andernfalls spricht man schon von einem Kurzmantel.

Je nach Verwendungszweck und –ort hat sich eine ganze Reihe von Modellen bei Jacken und MĂ€ntel ĂŒber die Zeit entwickelt. Damit sie nicht den Überblick verlieren prĂ€sentieren wir Ihnen hier die wichtigsten Modelle in der Übersicht.

MĂ€ntel fĂŒr jeden Gelegenheit

Caban

Randnotiz:
Einst speziell fĂŒr bretonische Fischer gefertigt war er ursprĂŒnglich ausschließlich weiß. In der Bretagne wird er noch heute „Kap Gwen“ genannte. Inzwischen ist der Caban-Mantel fester Bestandteil der Garderobe vieler maritimer Kampftruppen. Die US-Navy nennt ihn „Peacoat“, bei der Deutschen Marine ist er unter dem Begriff „Colani“ bekannt. Dies leitet sich aus dem Namen der Schneiderei Berger & Colani, die im 19. Jahrhundert begannen den Caban-Mantel fĂŒr die kaiserliche Marine zu fertigen, ab.

Der Begriff Caban stammt aus dem französischen und bedeutet ĂŒbersetzt: Regenmantel oder Jacke. Der Caban-Mantel ist demnach auch ein klassischer Kurzmantel aus der Seefahrt. Er ist zweireihig und vor allem gekennzeichnet durch seinen breiten Kragen. Diesen kann man bei entsprechender Wetterlage hochklappen, zum Schutz der Hals und Nackenpartie vor Regen und Wind.

Cape
Das Cape ist eigentlich ein weit geschnittener Umhang, der als zusĂ€tzlicher Schutz ĂŒber die normale Garderobe gezogen werden kann. Es ist Ă€rmellos und besitzt stattdessen hĂ€ufig zwei Schlitze, die als Armdurchgriffe dienen. Oft ist es zusĂ€tzlich mit einer Kapuze ausgestattet. Heutzutage begegnet einem das Cape ĂŒberwiegend als Regenkleidung, weshalb das verwendete Material vielfach wasserabweisende kĂŒnstliche Stofffasern sind. In seiner ursprĂŒnglichen Form aus Wolle gefertigt wird es gelegentlich noch als schwarzes Cape getragen. Ein „Abendmantel“ zum Frack.

Car Coat
Der Name des Car Coat steht tatsĂ€chlich fĂŒr den Ort seines Verwendungszwecks. In den 50er Jahren sollte er wĂ€hrend stilvoller Fahrten mit dem Cabrio Schutz vor KĂ€lte bieten. Er reprĂ€sentiert einen ganz eigenen Manteltyp, denn er ist lĂ€nger als eine Jacke, aber noch deutlich kĂŒrzer als der klassische Kurzmantel. Sein charakteristisch gerader einreihiger Schnitt (so genannte A-Linie) verleiht ihm eine praktische Bequemlichkeit, ohne dass zuviel Stoff den Fahrer behindert.

Chesterfield
Seinem Namen hat der Chesterfield vom vierten Grafen der gleichnamigen englischen Region. Doch wer ihn tatsĂ€chlich erfand ist nicht ĂŒberliefert.
Der klassische Chesterfield ist ein Einreiher aus grauem Wollstoff. Es gibt ich allerdings auch als Zweireiher. Der Stoff hat typischerweise ein FischgrĂ€tenmuster und der schwarzen Kragen aus Samt ist angesetzt. Der Schnitt ist tailliert. Als typischer Überzieher ist er wesentlich leichter, als ein normaler Mantel.
Neben grau, sind seine besten Farben dunkelblau und schwarz.
Eine gute Passform zeigt ein Chesterfield, wenn der Kragen eng am Hals anliegt und der hintere Schlitz nicht höher reicht als bis zum Schritt. Ist die LÀnge dann noch so gewÀhlt, dass der Mantel mit dem Anzug einen harmonischen Abschluss findet, ist der Sitz perfekt!

Crombie Coat
Der Crombie stammt aus England und war damals ein typischer Stadtmantel der „Working Class“. Er ist auch heute noch aus Wolle gefertigt. Die einreihige Knopfleiste ist hĂ€ufig verdeckt. Der Kragen ist schmal geschnitten und wird mit dem Revers nach außen geklappt, wodurch sich ein zur Knopfleiste hin spitz zulaufender Halsausschnitt ergibt.

Dufflecoat
Der Dufflecoat ist ein gerade geschnittener Mantel aus Wolle. Markanteste Merkmale sind die Kapuze, die aufgesetzten Taschen und die KnebelverschlĂŒsse anstelle von Knöpfen. Dieser Mantel macht sich vor allem gut in der Freizeitgarderobe, da er sehr sportlich wirkt.

Havelock
In seiner ursprĂŒnglichen Form aus dem 19. Jahrhundert wird der Havelock heute nicht mehr getragen. Damals handelte es sich um einen Mantel, der einem Cape Ă€hnlich keine Ärmel hatte sonder lediglich Ärmellöcher hatte. DafĂŒr setzte unterhalb des Kragens eine Pelerine (Schulterumhang) an, der die Arme schĂŒtzte.

Heute findet sich ein Havelock nur noch selten in der eleganten Abendgarderobe wieder. Dort wird er als langer Pelerinenmantel, mit fallendem Seidenrevers und verdeckter Knopfleiste zum Frack getragen.

Ledermantel
Der Name steht hier fĂŒr das verwendete Material, meist handelt es sich um Rind-Nappaleder, aber auch Velours- oder Kunstleder. Klassischerweise ist der Schnitt lang (meist ĂŒber die Knie oder lĂ€nger), gerade und einreihig. Mit einem schmalen Revers und Kragen. HĂ€ufig werden LedermĂ€ntel mit Wollstoffen gefĂŒttert, gelegentlich auch mit Pelz- oder Webpelz-Futter. Sofern das glatte Leder imprĂ€gniert wurde, bietet der Mantel auch bedingt Schutz vor NĂ€sse.

Lodenmantel
Ein originaler Lodenmantel wird aus im Vorfeld gewalkter und gekĂ€mmter Wollfaser hergestellt. Bei dieser aufwendigen Produktion erhĂ€lt die Faser eine wasserabweisende Funktion, an der Regen einfach abperlt. Daher ist er ein hervorragender Mantel fĂŒr schlechte Wetterphasen.

Der klassische Schnitt ist weit und lang. Der Lodenmantel hat einen Umlegekragen und eine lange vertikale Kellerfalte im RĂŒckenbereich.

Raglanmantel

Randnotiz:Benannt ist dieses KleidungsstĂŒck nach dem einarmigen Feldmarschall Lord Fitzroy James Henry Somerset, spĂ€ter Baron Raglan, dem britischen Oberkommandierenden im Krimkrieg, der einen solchen Mantel trug.

Bezeichnend fĂŒr dieses Mantelmodell ist die Ärmelform, die auch RaglanĂ€rmel genannte werden. Anstelle am Schulternde an zusetzten sind die Armkugeln bis zum Halsloch angeschnitten. Dadurch verlĂ€uft die Ärmelnaht schrĂ€g von der Achsel bis zum Halsausschnitt. HĂ€ufig ist die Naht mit auffĂ€lligen SteppnĂ€hten oder Ă€hnlichem verziert. Die Schulterpartie ist am Ärmel angeschnitten. Den Raglanmantel gibt es inzwischen sowohl in einreihiger als auch zweireihiger AusfĂŒhrung.

Regenmantel
Der Regenmantel hat keinen bestimmten Schnitt. HĂ€ufig ist er jedoch mit einem hohen Kragen und einer Kapuze ausgestattet, die zusĂ€tzlichen Schutz vor dem Wetter bieten sollen. Hauptmerkmal ist das stark Wasser abweisende Material aus dem er gefertigt ist und das vor Regen schĂŒtzen soll. FrĂŒher handelte es sich dabei vor allem um Gummi, wie beim „Friesennerz“, gummiertem oder gewachstem Baumwollstoff. Seit den 50er Jahren werden auch PlastikmĂ€ntel aus PVC hergestellt, die zwar hoch Wasser abweisend sind, leider aber auch ĂŒberhaupt nicht atmungsaktiv. Heutzutage beschrĂ€nkt man sich daher darauf die MĂ€ntel nur mit einer leichten PVC- Beschichtung zu versehen.

Der technische Fortschritt brachte der heutigen Textilindustrie vor allem synthetische, mit so genannten Klimamembranen (Gore-Tex, Sympatex uvm.) versehene Stoffe zur Herstellung von RegenmÀnteln. Sie sind deutlich atmungsaktiver und leichter als andere Stoffe.

Trenchcoat
Der Trenchcoat ist eigentlich ein Regenmantel, im Original aus Gabardine. Einem leichten, sehr eng gewebten und imprÀgnierten Stoff, dennoch luftdurchlÀssigem Stoff. Heute gibt es aber auch Herstellungen aus Popeline gefertigt.

Der Name verrĂ€t woher der Mantel seinen speziellen Schnitt erhielt. Trench ist der englische Begriff fĂŒr SchĂŒtzengraben, und tatsĂ€chlich war der Mantel eine Spezialanfertigung fĂŒr die britische Armee im ersten Weltkrieg, dessen Form einen besonderen Schutz vor Wetterwidrigkeiten bot.
So verhindert das Schultertuch, dass Regen an der Knopfleiste eindringen kann. Die Ärmel können mit einem Riegel zugebunden werden um noch mehr Schutz vor Regen zu bieten. Die Schulterklappen dagegen wurden vor allem fĂŒr militĂ€rische Rangabzeichen angefĂŒgt. Und auch die D-förmigen Metall-Schlaufen am GĂŒrtel sind Überbleibsel des ursprĂŒnglichen Zwecks. An ihnen konnten die Soldaten Handgranaten hĂ€ngen.

Mantel, schwarz, Stoffmantel, Herrenmantel

Ulster
Der Ulster ist ein langer, gerader Wintermantel. Charakteristisch ein Zweireiher, dessen Verlaufsform vor allem dem schweren Stoff geschuldet ist, aus dem er gefertigt wird. Kennzeichnend sind dazu der sowohl sehr breit geschnittene Kragen, wie auch das breite Revers. Die Taschen des Mantels sind aufgesetzte Rahmentaschen und die NĂ€hte sind stets einen fingerbreit abgesteppt.
Seinen Namen hat der Mantel von der gleichnamigen Provinz Ulster in Nordirland, wo der schwere Stoff entstand.

Die Klassiker der Mantelmode

Da sich Form und Schnitt von MĂ€nteln stets an einem bestimmten Zweck ausrichten, sind im Laufe der Jahrhunderte natĂŒrlich auch viele Mantelmodelle wieder aus der Mode gekommen. So wenig diese Modelle heute fĂŒr den Alltagsgebrauch tauglich sind, so sehr erhĂ€lt nostalgischer Wert ihre Existenzberechtigung. Auch als eine kleine Huldigung an die Tradition der MĂ€ntel, prĂ€sentiert ihnen das Herrenmode-Handbuch hier eine kleine Auswahl der schönsten Modelle vergangener Tage:

Inverness- Mantel
Benannt nach der schottischen Region Inverness handelt es sich bei diesem Mantel eher um einen Regenumhang der zum traditionellen Kilt getragen wird. Er wird traditionell aus Tweed gefertigt und hat anstelle von Ärmeln am Kragen einen Überwurf befestigt, der die Arme schĂŒtzen soll. BerĂŒhmtester TrĂ€ger des Inverness-Mantel war Sherlock Holmes. Noch heute symbolisiert diese Mantelform den berĂŒhmten Detektiv.

Paletot
Paletot ist ein französischer Begriff, der mit Obergewand ĂŒbersetzt werden kann. Es handelt sich um einen leicht taillierten, lĂ€ngeren Mantel – sowohl ein- als auch zweireihig. Er war vor allem im 18. Jahrhundert verbreitet und entsprach stets dem Stil des darunter getragenen Anzuges.

Poncho
Der Poncho stammt ursprĂŒnglich von den Indigenas aus SĂŒdamerika, die in einfache TĂŒcher Schlitze einfĂŒgten durch die der Kopf gesteckt wurde. Dadurch lag der Rest des Tuches auf den Schultern auf und bot dem Oberkörper einen gewissen Schutz vor Regen. Traditionell sind Ponchos sehr farbenprĂ€chtig. Westliche Kulturen haben sich den Schnitt der Ponchos vor allem fĂŒr Regenkleidung fĂŒr Radfahrer und Wanderer abgeguckt. Gelegentlich wurde der Schnitt um einen Kragen oder gar eine Kapuze erweitert.

Radmantel
Der Radmantel ist eine der ursprĂŒnglichsten Mantelformen aus Europa. Entsprechend simpel ist der Schnitt: Ein offener Stoffkreis wird in der Mitte mit einer Halsöffnung versehen, an die ein Kragen, sowie ein Verschluss angebracht ist. Dadurch kann man sich den Stoff, wie ein Cape, leicht ĂŒber die Schulter hĂ€ngen ohne dass dieser verrutscht. Gelegentlich wurden noch Schlitze fĂŒr die Arme eingefĂŒgt.

Redingote
Der Name ist französisch und gilt als die Verballhornung des englischen Begriffs Riding coat. Seinen Ursprung hat er dementsprechend auch im England des 18. Jahrhunderts als Reitermantel. SpĂ€ter bĂŒrgerte er sich in Frankreich als Stadtmantel ein. Vom Schnitt handelt es sich um eine langen Mantel mit großem Kragen, an den bis zu drei Pelerinen angenĂ€ht waren. Heutzutage findet man den Redingote wieder hĂ€ufiger in der Reiterkultur, vor allem bei Turnierreitern.

Staubmantel
Der Staubmantel ist ein sehr langes und sehr weit geschnittenes Mantelmodell, das seinem TrĂ€ger vor allem besonderen Schutz beim Sitzen auf einem Pferd, Kutschbock oder in heutiger Zeit auf einem Motorrad bieten soll. DafĂŒr ist er sowohl vorne auch als hinten hoch geschlitzt und mit Knöpfen wieder verschließbar. Am hinteren Schlitz ist ein dreieckiges StĂŒck Stoff eingearbeitet, dass beim Sitzen entweder das GesĂ€ĂŸ nach unten oder aber nach hinten den Sattel und die RockschĂ¶ĂŸe vor Staub und NĂ€sse schĂŒtzt. Vorne ist der Staubmantel mit einer breiten Windschutzleiste versehen, die vom hochschließbaren Kragen bis etwa in Schritthöhe reicht. DarĂŒber hinaus ist unter dem Kragen eine Pelerine befestigt.

Im Oberkörperbereich ist der Mantel in der Regel gefĂŒttert, das Futter nach unten zum Bund aber nicht festgenĂ€ht. Der Staubmantel gilt als stereotypisches Merkmal der Cowboykultur. Er ist ĂŒberwiegend aus schweren, hĂ€ufig gewachsten Baumwollstoffen oder Leder gefertigt, und sehr wetterrobust.

Autor: NaF


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