Januar: Wolfgang Joop

am 27. Januar 2010

Sympathisches Enfant Terrible

In den 80ern machte er seinen Namen zum Markenzeichen für einen gesamten Lebensstil. In den 90ern entschied er sich, seine Anteile an der Marke JOOP! zu verkaufen. Anfang des neuen Jahrtausends gründete er dann das Label WUNDERKIND, um fortan seine eigene Vision von Kleidung für unabhängige und anspruchsvolle Frauen und Männer zu produzieren. Designer des Monats in unserem Herrenmode-Blog ist das freigeistige Enfant Terrible der Modewelt: Wolfgang Joop!

Und dennoch bleibt er einer ihrer größten Sympathieträger. Weil er ein Exzentriker mit Bodenhaftung ist. Weil seine Perfektion nicht fehlerfrei sein muss. Und weil er in Interviews Sätze sagt wie, „Ich mache keine Stilberatung, nicht für alles Geld der Welt! Das wäre anmaßend. Jeder Mensch hat das Recht darauf, in seine eigene modische Falle zu tappen.“

Eben doch nach seinem Kopf

Ursprünglich konzentrierte er sich mit seinem neuen Label auf die Einkleidung seiner Vision einer Wunderkind-Frau. Doch dann brauchte Joop ’mal wieder einen Anzug, und entdeckte nur Langeweile, Unbequemlichkeit und wenig Provokation. Einer wie er kann es da natürlich nicht lassen mitzumischen. So wenig er am Kleidungsstil anderer Leute herumkritteln mag, so sehr freut er sich, der Modewelt immer wieder seinen persönlichen Geschmack aufzudrücken.

Mit Anzügen kennt sich Joop schließlich besonders aus; Die Zeit bezeichnete ihn einmal als den „Schneider des Achtziger-Jahre-Gefühls“. Mit seinen Entwürfen für die Marke „JOOP!“ eroberte er die Welt. Hatten seine damaligen Kreationen noch die Großspurigkeit eines jungen Großstädters – er begann seine Karriere in Hamburg – mag er es jetzt, wieder in der Heimat Potsdam, viel „relaxter“. Aber bei allem Komfort, ein bisschen frech soll’s schon sein.

Ein Karrierekind der 70er

Joop Karriere hat seine Wurzeln im freigeistigen Jahrzehnt der 70er Jahre. Seinen internationalen Durchbruch erzielte er mit einer Kollektion von Pelzen. Voraufhin ihn die New York Times mit dem Ehrentitel „Prussian Designer“ würdigte. Im folgenden Jahrzehnt baute Joop seinen Namen schließlich zu einer der Marken des ausgehenden Jahrtausends aus. Vielleicht das faszinierendste an der Marke JOOP! war wohl das Gefühl, dass man sich diesen Luxus leisten konnte.

Super-GAU im Idyll

Auch heute noch fasziniert Joop die Improvisation zwischen pompöser Extravaganz und bodenständiger Realität. Nicht mehr so sehr als volksnahe Mainstreamluxusmarke, heute zeigt sich dieser Anspruch viel mehr im Design seiner Kollektionen. Bei der hohe Schneiderkunst auf Inkorrekte Schnittmuster trifft. Eben ein „ein bisschen Super-GAU im Idyll“, wie er einst die Entwürfe für seine Anzugkollektion titulierte.

Apropro der Störung des Idylls:  Im vergangenen Jahr kreierte der Designer eine ganze Kollektion von Stützstrümpfen, die er in die Kollektion seines Labels Wunderkind integrierte. Udn alle Welt begann sich zu fragen, werden Omas Kompressionsstrümpfe jetzt gesellschaftsfähig?


Noch mehr zu Wolfgang „Wolfi“ Joop:

Im vergangenen Jahr erschein seine Autobiographie „Wunderkind. 14467 Potsdam.“ Seine langjährige Freundin Inga Griese veröffentlichte zu diesem Anlass ein Porträt des Designers in der Welt.

Autor: NaF


Vorheriger ArtikelHandytasche aus Leder Nächster ArtikelDer Mantel - Die Modelle