Auf Streifzug

am 7. Mai 2015

Matrose auf Streifzug

Im Sommer 1917 geht eine Frau an der bretonischen Küste spazieren. Es ist die Französin Gabrielle Chasnel. In der Ferne sieht sie Matrosen, die gerade im Hafen anlegen. Der Anblick der jungen Männer in ihren gestreiften T-Shirts inspiriert die 33-Jährige.

Ihre Idee: Den Streifenlook als Trend zu interpretieren. Wenig später nennt sie sich Coco Chanel, zeigt das gestreifte „Breton Top“ auf ihrer Modenschau und verbreitet den Marine-Look durch ihre Boutique in Deauville. So begann wohl der Streifzug von der Martrosen-Arbeitskleidung zum Dauertrend. Chanel machte das Shirt also zum Kult, doch wer erfand das Streifenshirt?



Bereits Mitte des 19. Jahrhunderts war das in der Bretagne gefertigte Streifenhemd Bestandteil der Uniform der französischen Marine. Die 21 blauen Streifen sollen übrigens für die Siege Napoleons gestanden haben. Aber warum waren die Hemden gestreift? Vielleicht weil so ein  über Bord gegangener Matrose schnell erkannt wurde. Auch vor einem weißen Segel konnte man die Seemänner besser sehen. Schnell wurde das gestreifte Shirt auch in den Niederlanden und in Russland zur Berufsbekleidung für Fischer und Seefahrer. In Russland wurde es, Telnjaschka genannt, auch von Infanteristen und Luftstreitkräften getragen.

Als Chanel Anfang des 20. Jahrhunderts dem Jet Set, der an der französischen Küste Urlaub macht, süße Ringelshirts im Matrosen-Look verkauft schlägt der Trend ein, wie eine Bombe. Später wird das langärmlige Streifenshirt zum Markenzeichen Jean Paul Gaultiers. James Dean trägt es 1955  in „Rebel Without a Cause“. Ein Jahr später ist Audrey Hepburn in „Funny Face“ im Breton Top zu sehen.  In den 1950er Jahren findet der Marine-Look erstmals Eingang in die Freizeitmode.

Marilyn Monroe, Pablo Picasso, Andy Warhol, Jean Seberg, Brigitte Bardot und Coco Chanel – sie alle trugen das gestreifte Fischerhemd. Machen Sie mit! 

Natascha Elbers

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