Das Polohemd

am 18. M├Ąrz 2010

polohemd

“Hoheit, meine Hemden passen!” Fred Perry

Zu den klassischen britischen Sportarten geh├Âren Tennis, Golf, Rugby und Cricket sowie das in den arabischen L├Ąndern entdeckte und bald zum Nationalsport der Oberklasse avancierte Polo. Ebenso gro├čer Beliebtheit erfreuen sich Snooker und Darts. Nat├╝rlich ist England aber zuallererst das Mutterland des Fu├čballs. Sport nimmt einen wichtigen Teil des gesellschaftlichen Lebens der Insel ein, das blieb nat├╝rlich nicht ohne Auswirkungen auf die Mode.

Gemeinsam haben all diese Sportarten vor allem eins: Ein Kleidungsst├╝ck – das Polohemd. Die origin├Ąren Polohemden werden aus luftig gewebtem Baumwoll-Pikee gefertigt. Das Rugbyhemd, welches im Schnitt dem Polohemd sehr ├Ąhnelt, wird heute wegen der hohen Belastungen die es aushalten muss, aus rei├čfestem Baumwoll-Jersey gefertigt.

Erfunden wurde das Polo zwar von einem franz├Âsischen Tennisspieler, R├ęne Lacoste, seinen Durchbruch feierte es mit Hilfe des englischen Tischtennisweltmeisters und mehrfachen Wimbledon Siegers Fred Perry. Dieser fand die gr├╝nen Armeehemden die ui dieser Zeit noch auf Wimbledons Courts getragen wurden so schrecklich, dass er 1947 tats├Ąchlich 75 wei├če Polohemden anfertigen lie├č und diese den anderen Spielern schenkte. Diese brachten ihm zu Ehren den Lorbeerkranz auf das Shirt, das zum Markenzeichen des Perry-Polos wurde und bis heute ist. Wei├č wurde in der Folge zudem die Farbe des Tennissports.

Der Sportler entstammte der Arbeiterschicht und wurde durch sein Sieg in Wimbledon zum Vorbild seiner Klasse. Zwar wurde Ihm damals die Siegerehrung verweigert, heute ehrt ihn das snobistische Traditionsturnier immerhin mit einem Denkmal.

Das Poloshirt wurde in den 1960er Jahren zu einem Trend der Mods, und sp├Ąter leider auch der Skinheads. Beides waren Bewegungen der Arbeiterklasse. Die heutigen Neonazis kopierten ihren Stil und werden deshalb f├Ąlschlicherweise als Skinheads bezeichnet. Die Firma Fred Perry distanziert sich allerdings ausdr├╝cklich vom Rassismus des Rechtsradikalen.

Vom Kleidungsst├╝ck der Arbeiterklasse wurde das Polohemd schnell auch zum Outfit der elit├Ąren Gesellschaft. Designer von Tommy Hilfiger bis Ralph Lauren nahmen es in Ihre Kollektionen auf. Gerne wurde es als Hemd-Ersatz zum Anzug getragen. So galt es bald als spie├čig, ein Polohemd im Schrank zu haben. Dies hat sich allerdings wieder ge├Ąndert. Heute wird das Polohemd wieder gerne auf der Stra├če getragen, zum Skaten, als Freizeithemd, als Szenehemd als Trendteil und nat├╝rlich beim Sport. Ab und zu sieht man es auch mit einem Anzug kombiniert. Kaum ein Kleidungsst├╝ck hat so erfolgreich alle Schichten der Gesellschaft erobert und erfreut sich nach so vielen Jahren noch einer so gro├čen Verbreitung. Vom Politikum wurde es wieder das, wof├╝r es einmal gedacht war. Es ist ein schickes, bequemes Kleidungsst├╝ck, das in Sport und Freizeit zuhause ist, durch seine k├Ânigliche Absegnung aber auch im B├╝ro eine gute, weil sportlich-elegante Figur macht. Und inzwischen gilt dies auch geschlechter├╝bergreifend.

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