DER WIENER OPERNBALL – Von Dekadenz, Historie und Mode

am 30. Januar 2015

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Es ist ein sonniger Tag, der 17. Juli 1385. Es ist der Hochzeitstag der erst 15-Jährigen Isabeau de Bavière aus München und des 13 Jahre alten Königs Karl VI. Heute wird im französischen Amiens gefeiert und getanzt. Diese Hochzeit gilt als Startschuss höfischer Feste im Mittelalter und als Vorläufer der Ballsaison. Fortan werden Feierlichkeiten zum Statussymbol, zeugen von Reichtum und Macht.

Ausschweifende Feste in Versailles
Der Höhepunkt der Dekadenz findet im 17. Jahrhundert am Hof von Versailles statt: Sonnenkönig Ludwig XIV. lädt regelmäßig zum Menuett in seinen prunkvollen Spiegelsaal ein. Der Adel ist gelangweilt vom Alltag – und hat Zeit. Viel Zeit. Oft dauern die ausschweifenden Hofbälle mehrere Tage. Der Begriff „Ball“ stammt übrigens aus dieser Zeit: „bal“ ist eine Ableitung von „baller“, was französisch „tanzen“ heißt. Hier geht es um politische Kontakte, um Sehen und gesehen werden. Die Feste werden zum Heiratsmarkt der gehobenen Gesellschaft.

„Ein Volk, das tanzt und herumwirbelt, denkt nichts Böses!“ soll Katharina die Große gesagt haben. In den Tanzpausen werden Brett- oder Würfelspiele gespielt, Pfeife geraucht und der Alkohol fließt. Bald gibt es einen festen Ablauf: Auf den ersten Tanz folgen Walzer, Polka, Quadrillen (nach Mitternacht) und Mazurka. Der Walzer gilt zunächst als unanständig – nach der französischen Revolution ist er der Lieblingstanz der Jugend und gilt als Symbol einer neuen Zeit. In Wien ist es Anfang des 19. Jahrhunderts sogar verboten, länger als zehn Minuten Walzer zu tanzen. Der Grund: zu viel Körperkontakt.

Tanzverbot in Wien
1815 finden nach dem Wiener Kongress bereits Tanzveranstaltungen statt. Am 11. Dezember 1877 wird erstmals das „Hofopern-Soirée“ im Opernhaus veranstaltet. Kaiser Franz Joseph I. verbietet zuerst das Tanzen, er befürchtet tumultartige Zustände wie in Versailles. An diesem Abend dirigiert Johann Strauss das Hoforchester und als die Opern-Soirée-Polka gespielt wird, gibt es kein Halten mehr: es wird getanzt.

Erst 1935 findet der erste Ball in Wien unter dem berühmten Namen „Wiener Opernball“ statt. Bis heute wird immer am letzten Donnerstag vor Aschermittwoch in der Staatsoper getanzt. Und auch heute geht es noch immer um Sehen und gesehen werden. Eine gute Gelegenheit, den Frack aus dem Schrank zu holen. Denn der ist Pflicht – mit weißer Frackschleife, Frackhemd mit Stehkragen und schwarzen Lackschuhen. Für die Damen lautet der Dresscode: langes Abendkleid, aber bitte nicht hauteng! Das Opernball-Spektakel wird übrigens am 12. Februar live von ORF und 3sat übertragen.

Auf diese Bälle freuen wir uns dieses Jahr:

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