Designerin Paula Immich: "Schwarz gibt einer Kollektion Kontur und Eleganz"

am 21. Oktober 2010

Interview Paula Immich
Interview Paula Immich

Interview Paula Immich

Warum sind Vampire sexy? Gibt es einen Berliner Style. Warum arbeiten viele Modedesigner so gerne mit der Farbe Schwarz? Zum Start des deutschen Vampirfilms “Wir sind die Nacht” mit Nina Hoss, Jennifer Ulrich, Anna Fischer und Karoline Herfurth sprechen wir mit Designerin Paula Immich ĂŒber den Mythos Vampir, die Bedeutung der Farbe Schwarz in der Mode.

Gefragt haben wir auch zu ihrer Arbeit als Designerin und Stylistin in Berlin. Ihre neue Herbst/Winter-Kollektion 2010/2011 prÀsentiert sie unter ihrem Namen Paula Immich, zuvor war sie unter dem Label presque fini bekannt.

Modetagebuch: Die unsterblichen Vampir-Damen in “Wir sind die Nacht” lieben teure Kleidung und rauschende Parties in Berliner Szeneclubs. Wie betrachten Sie als Designerin das reale Berliner Nachtleben im Hinblick auf das Thema Mode? Gibt es so etwas, wie einen typischen Berliner Stil?

Paula Immich: TagsĂŒber hĂŒllt sich die Stadt vorwiegend in ein unscheinbares Grau. Nachts aber kann man in Berlin die glamourösesten, erstaunlichsten Outfits sehen.

Modetagebuch: Die Vampirinnen im Film wurden alle in einer anderen Epoche gebissen. Louise im 18. Jahrhundert. Ihr Stil ist von dunklen Farben und leicht morbiden Accessoires geprĂ€gt. Charlotte, einst Schauspielerin in der Stummfilmzeit der 1920er Jahre, liebt schwarze KostĂŒme mit Fransen, Perlen und Pailletten. Nora wurde in den 90er Jahren auf der Loveparade gebissen. Ihr Stil ist bunt und flippig. Inwieweit dienen frĂŒhere Epochen als Inspirationsquelle fĂŒr Sie und Ihre Mode?

Paula Immich: Mode ist ein ewiger Kreislauf. Styles kommen und gehen und kommen. Als Designerin nehme ich die jeweiligen Tendenzen auf und passe sie meiner persönlichen Wahrnehmung des aktuellen Zeitgeistes an.

Modetagebuch: Der Vampir beflĂŒgelt die Phantasie von Filmemachern wie kaum eine andere Figur aus der Welt der Mythen und Legenden. Wie sieht es mit Vampiren in der Modewelt aus? Gibt es fĂŒr Sie persönlich Vorbilder aus der Vampirfilmgeschichte?

Paula Immich: Beim Mythos “Vampir” geht es immer auch um Erotik. Insofern denke ich, haben Vampire und Mode viele Gemeinsamkeiten.

Modetagebuch: Wann immer man in Kunst, Film oder Literatur auf Vampire trifft, erscheinen die mythologischen Blutsauger ĂŒberwiegend in schwarzer Kleidung. Welche Bedeutung hat die Farbe Schwarz fĂŒr Sie und Ihre Kollektionen?

Paula Immich: Die Farbe Schwarz hat etwas TiefgrĂŒndiges, AbgrĂŒndiges. Sie gibt einer Kollektion Kontur und Eleganz. Ich arbeite gerne mit Schwarz. Schwarz ist streng, aber auch sehr elegant. Schwarz gibt der TrĂ€gerin Bedeutsamkeit, ohne sich in den Vordergrund zu drĂ€ngen.

Modetagebuch: Der Film zeigt sehr eindrucksvoll die Verwandlung der Hauptfigur Lena (Karoline Herfurth) von einer jungen Frau in einen weiblichen Vampir. Ihre aktuelle Kollektion trĂ€gt ebenfalls den Namen “Die Verwandlung”. Welche Bedeutung hat dieses Wort in Bezug auf Ihre Arbeit?

Paula Immich: In der letzten Kollektion hat sich die Verwandlung meines Labels von “presque fini” zu “Paula Immich” vollzogen. Ich bin der Meinung, dass mit einer Ă€ußerlichen Verwandlung immer auch eine innere Verwandlung einher geht. Es ist schon erstaunlich, dass Frauen jede Saison wieder Lust auf neue Kleidung haben. Vielleicht liegt es in der Natur der Frau, immer wieder aufs Neue nach Möglichkeiten der Verwandlung zu suchen.

Modetagebuch: Bleiben wir bei Lena. Sie steigt nach Louises Biss in eine Welt voller Luxus auf und kann sich plötzlich Kleider leisten, von denen sie vorher kaum zu trÀumen gewagt hÀtte. Hat Mode in Ihren Augen ihren Preis?

Paula Immich: Bei den großen Mode-Ketten bekommen die Leute MĂ€ntel mit fĂŒnf Leisten- und drei Klappentaschen, Innenfutter, Kapuze und KordelzĂŒgen und zahlen 39,90 Euro. So etwas geht nur ĂŒber soziale Ausbeutung, schlechte StoffqualitĂ€t und Massenproduktion. Authentisches, individuelles und innovatives Design, hochwertige Stoffe und ein perfekt sitzender Schnitt haben Ihren Preis.

Modetagebuch: Neben Ihrem Beruf als Designerin arbeiten Sie auch als Stylistin und haben vor kurzem Karoline Herfurth fĂŒr ein Cover-Shooting gestylt. Worauf muss man bei solch einem Job achten? Wie stimmen Sie das gesamte Styling auf die jeweilige Person ab?

Paula Immich: Wichtig sind natĂŒrlich Farben und Formen. Das Styling muss zur Person und deren Typ passen, zu Teint und Haarfarbe. Man muss auf die Körperproportionen achten und die Vorteile betonen, um das Bestmöglichste herauszuholen. Wichtig ist auch die Message, die das Foto aussenden soll. Karolines VerhĂ€ltnis zu Mode empfand ich als sehr aufgeschlossen und spielerisch. Sie ist neugierig auf verschiedene Styles und hat keine vorgefertigte Meinung darĂŒber, was ihr Ding ist und was nicht.

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