FARBSPEKTRUM: NATĂśRLICH!

am 26. Februar 2014

Gewinnung natĂĽrlicher Farben

Farben sind in der Natur unabdinglich – das grüne Chlorophyll ermöglicht die Fotosynthese, das farbliche Kleid der Tiere dient zur Balz und Tarnung. Auch der Mensch hat sich Farben in den Jahrhunderten zu eigen gemacht. So erfreuen uns auch in dieser Saison farbenfrohe Styles, die passend zum aufkommenden Frühling aus den neuen Kollektionen sprießen.

Wir haben uns gefragt, wie man vor der synthetischen Herstellung im 18. Jahrhundert Farben gewann. Die Antworten bietet unsere Farbenlehre:

BLAU
Die ursprünglichste Blaufarbe, Indigo, wird traditionell aus der indischen Indigopflanze oder Färberwaid hergestellt. Dazu werden die Blätter der Pflanze mit Alkohol zum Gären gebracht und das zu färbende Material für mindesten 12 Stunden eingetaucht. Erst nach längerem Trocknen an der Luft entfaltet sich die Farbe. Die Ägypter hingegen erhielten ein wertvolles Blau aus dem Mineral des Lapislazuli. Die pro Kilo 15.000 Euro kostenden Pigmente entstehen durch eine langwierige Prozedur des Zermahlens und Filterns. Das Ergebnis ist das unvergleichbare Ultramarinblau.

ROT
Purpur – Farbe der Macht und des Adels ist der wohl bekannteste rote Farbstoff, der sogar mit Gold aufgewogen wurde. Das zunächst durchsichtige Sekret der Purpurschnecke wurde durch das Zerstampfen des Tieres und das mehrtägige Einlegen in Salz gewonnen. Nach dem Färbebad mit weiteren Ingredienzien entfaltete sich die Farbe auf den Textilien erst nach dem Trocknen sowie reichlich Lichteinfuhr. Auch die damals in Mexiko beheimatete Schildlaus lieferte signalstarkes Karminrot. Auch hier wurden die Tiere zermahlen und der Farbstoff mit Wasser extrahiert. Tierfreundlicher war die rote Farbstoffgewinnung aus den Stängeln des Hennastrauches. Die rotbraune Nuance verwendeten bereits die Ă„gypter zum Färben ihrer TĂĽcher.

GRĂśN
Die pflanzliche Gewinnung des grünen Pigments liegt nahe: Blattgrün oder Spinat ergeben zerrieben einen intensiven Farbton, der auch noch heute, meistens ungewollt, Materialien mit sattem Grün färbt. Im antiken Griechenland und Ägypten war ein Mineral hingegen sehr beliebt: der tiefgrüne Malachit. Für die Pigmentgewinnung wurde das Mineral zermahlen und mit Eiweiß, Akazienharz oder Feigenmilch verrührt. Das Ergebnis war eine smaragdgrüne Farbe, die sich auch zum Färben von Stoffen eignete.

GELB
Neben gelbem Ocker verwendeten die Ägypter das Mineral Auripigment, das jedoch vorrangig als Malfarbe diente. Wertvoller war hingegen Safran. Besonders beliebt war das Gelb im alten China, wo es als Symbol für Macht und Herrschaft fungierte und nur von buddhistischen Mönchen und dem Kaiser getragen werden durfte. Das Safrangelb, der Farbstoff Crocin, wird aus dem Blütengriffel, der sich in drei auffällig rot gefärbte Blütennarben aufspaltet, gewonnen. Der Krokus des Altertums hatte sogar eine derart hohe Färbekraft, dass die Farbe bei einer Verdünnung von 1 : 200 000 sichtbar blieb. Safran hat zudem eine desinfizierende und heilende Wirkung. So färbten bereits die Ägypter ihre Textilien mit dem kostbaren Farbstoff, was Mumienfunde belegen.

 

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