FAST FASHION – SCHNELL KONSUMIERT, SCHNELL WEGGEWORFEN

am 7. April 2015

Fast Fashion - Die Schattenseiten der Mode

Als 1971 ein bekannter Fast-Food-Riese Deutschland eroberte, entwickelte sich eine völlig neue Art des Konsums. Schnelles und gĂĽnstiges Essen wurde im ebenso rasanten Tempo verzehrt. Wo es herstammt und wie es möglich ist ein ganzes MenĂĽ innerhalb weniger Minuten zu fertigen war Nebensache. Schnell produziert, schneller konsumiert und noch schneller aus dem Sinn. Mit dem Kleiderkonsum ist es da heute ähnlich. GroĂźe Ketten suggerieren mit zwanzig statt ĂĽblich zwei Kollektionen im Jahr, dass man immer wieder neue Mode konsumieren muss, um im „Trend“ zu bleiben. ‘Fast Fashion’ nennt man diese Sparte – in nicht einmal zwei Wochen sind die meistens von High End-EntwĂĽrfen kopierten KleidungsstĂĽcke produziert und bereit sich einer modehungrigen Masse zu präsentieren. Aber wissen Sie, welche Bedingungen es möglich machen, dass eine Jeans genauso viel kosten kann wie eine Kinokarte? Die Hamburger Ausstellung „Fast Fashion. Die Schattenseite der Mode“ macht genau dies zum Thema.

Der Begriff „Fast Fashion“ steht fĂĽr die auf Masse produzierte Mode, die in einem beschleunigten Produktions- und Vertriebssystem auf den Markt gebracht wird. Ein ökonomisches Erfolgsmodell zu Lasten der Umwelt und der sozialen Systeme. Denn während sich in der westlichen Welt Menschen ĂĽber stetig verfĂĽgbare Ware freuen, die dazu noch mit geringen Preisen lockt, leiden diejenigen, die am Ende der Produktionskette stehen: Die Arbeiter. Vorzugsweise aus Billiglohnländern wie China, Indien, Bangladesch, Vietnam oder Kambodscha. Ihre Realität sind schlechte Arbeitsbedingungen und Löhne am Existenzminimum. Maximal zwei Prozent des Produkt-Endpreises flieĂźt in die Berechnung der Lohnkosten. Die inhumanen Arbeitsbedingungen werden in der Ausstellung in dem Bereich ‘Fashion & Victims’ genauer beleuchtet. Hier dreht sich alles um den Modekonsum der Ăśberflussgesellschaft und die „Victims“, also den Opfern dieses Systems. Die Ausstellung blickt aber noch genauer hinter die Kulissen der Textilwirtschaft und setzt sich in weiteren Themengebieten wie ‘Mangel & Ăśberfluss’ oder ‘Bekleidung & Chemie’ kritisch und umfassend mit den sozioökologischen sowie ökonomischen Folgen auseinander.

Aber nicht nur auf die Missstände der Bekleidungsindustrie wird aufmerksam gemacht, auch ein Gegenmodell findet Gehör: Die ‘Slow Fashion’. Entschleunigte Mode, die sich durch umweltschonende Herstellung und Rohstoffauswahl, fairen Handel, nachhaltige Produktion und hochwertige Verarbeitung auszeichnet. Und genau das ist es, was die Ausstellung bei ihren Besuchern auslösen möchte: Sich Zeit zu nehmen fĂĽr ein Thema, das viel zu wenig Beachtung findet. Hinter die Fassade der Massenmode zu blicken. Sich mit dem eigenen Konsumverhalten auseinander zu setzen und wieder zu beginnen Mode wertzuschätzen.

Weshalb wir als Modehändler auf dieses sensible Thema eingehen? Weil wir uns wünschen, daß ein Bewusstseinswandel der Konsumenten in Gang kommt, der uns erlaubt in viel höherem Maße Mode anzubieten, die im besten Sinne „tragbar“ ist

Fast Fashion. Die Schattenseite der Mode können Sie noch bis zum 20. September 2015 im Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg besuchen. Anschließend wird sie im Dezember 2015 bis Mai 2016 im Deutschen Hygiene-Museum Dresden gezeigt.

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