Lexikon: Paisley – Queen Victorias liebstes Muster

am 16. Dezember 2010

Lexikon Paisley-Muster

Lexikon Paisley-MusterWas er im Paisley Muster sehen möchte, kann der Betrachter selbst entscheiden: Manche erkennen ein BlĂŒtenblatt, ein Komma oder eine Bohne. SchwermĂŒtige halten es fĂŒr eine TrĂ€ne. Das Stoffmuster ist sehr beliebt. Aber woher kommt es?

Die ĂŒber 1.000-jĂ€hrige Geschichte des Paisley-Musters beginnt im persischen Großreich. Dort ist es ein Symbol fĂŒr Leben und Ewigkeit der Zarathustrismus-Religion. Dann tritt es seine Reise um die Welt an: Über Mogule gelangt das Paisley-Muster nach Indien. Britische Seefahrer nehmen es im 17. Jahrhundert aus den Ostindischen Kompanien ins heimische Europa mit. Der Run auf das Dessin ist enorm, die Importe können die europĂ€ische Nachfrage kaum befriedigen. Deshalb werden Paisely-Muster im ersten Textildruckverfahren an der französischen CĂŽte d‘Azur auf den Stoff gebannt. Bald ziehen englische und niederlĂ€ndische Manufakturen mit der Stoffdruckerei nach.

Den nĂ€chsten PopularitĂ€tsschub bekommt das Stoffmuster im 19. Jahrhundert. Soldaten bringen aus Großbritanniens indischer Kolonie kostbare Cashmere-Schals mit aufgesticktem Paisley-Muster mit. Diese gefallen vor allem Königin Viktoria außerordentlich gut. Die Monarchin löst mit ihrer Liebe zu dem verschnörkelten Muster einen weiteren Paisley-Trend aus. Da die Originale aus dem fernen Indien fĂŒr viele unbezahlbar sind, bringen geschĂ€ftstĂŒchtige Weber aus Schottland kurzerhand eine billigere Variante aus gĂŒnstiger heimischer Wolle auf den Markt. Das schottische Textilzentrum befindet sich in Paisley. Seitdem ist das Muster unter dem Namen dieser Stadt bekannt.

Auch in der Hochzeit der Hippies wird wieder Paisley getragen, auf Röcken, Hosen, Blusen und TĂŒchern findet sich das Muster. Schließlich passen die Blumenornamente auf den besonders weiten, wehende Kleidern optisch und thematisch wunderbar in die Flower-Power Dekaden der 1960er und 1970er Jahre, auch wenn die Farben meist gedeckter sind. Auch heute setzen Designer und Labels wie Burberry, Dolce & Gabbana, Gucci und Etro immer wieder auf das lĂ€ngst klassische Muster. Eine wahre Paisley-Flut war zuletzt auf der MailĂ€nder Fashionweek im Herbst 2008 zu sehen. Die Kommas, Bohnen, TrĂ€nen oder BlĂŒten findet man außerdem auf Krawatten und nach wie vor auf edlen Schals. Sie sind ein wunderbarer Hingucker, der einfarbige Kleidung auflockert. Gewarnt sei allerdings vor zuviel Muster: Paisley duldet optisch nur wenig neben sich.

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