Mit Strohhut und Zigarre – Avo Uvezian

am 19. Januar 2015

Avo Uvezian

Diese Erscheinung bleibt im Gedächtnis: Panamahut, cremefarbener Brioni-Einreiher mit fallendem Revers, ein weißes Hemd und eine gemusterte Krawatte. In der Hand eine Zigarre. Das sind die Markenzeichen von Jazz-Musiker, Zigarren-Fabrikant und Weltenbummler Avo Uvezian.

Die Liebe zur Musik erbt der 1926 in Beirut geborene Sohn Armenischer Auswanderer von seinen Eltern. Schließlich ist die Mutter Sängerin, der Vater Dirigent. Schon mit vier Jahren kann Avo Klavierspielen. Als der Vater 1942 stirbt, unterstützt er die Familie finanziell durch Auftritte in Piano-Bars und gründet das Jazz-Trio „The Liban Boys“. Der erst 16-Jährige hat bald einen straffen Zeitplan: Morgens Schule, mittags in einer Hotelbar Klavierspielen, nachmittags Musikschule und abends wieder am Piano sitzen.

Ein Traum wird wahr
Nach dem Zweiten Weltkrieg dann der Auftritt in Teheran, der Avos Leben verändert: Mohammad Reza Pahlavi, der Schar von Persien, und seine Frau Soraya werden auf den talentierten Jazzpianisten aufmerksam, ernennen ihn zum Hofpianisten. Avo bleibt – bis 1947 ein Traum wahr wird. Der Schar hilft ihm, ein Visum zu bekommen, und der Pianist kann endlich in die USA auswandern, um zu studieren. Er zieht nach New York und studiert an der berühmten „Juillard School of Music“ klassisches Piano und Jazz-Komposition. In dieser Zeit lernt er auch seine Frau Maria kennen, die Tochter eines Modeschmuckproduzenten. Nach dem Tod des Schwiegervaters übernimmt das Ehepaar Uvezian dessen Firma.

In den Siebziger Jahren entscheidet sich Avo zum Verkauf der Fabrik und reist zu der Produktionsstätte in Puerto Rico. Auf der Karibik-Insel gefällt es ihm so gut, dass er bleiben will. Seine Frau möchte New York jedoch nicht verlassen und es folgt die Trennung. Uvezian eröffnet in Palmas del Mar ein Restaurant mit Piano-Bar, heiratet erneut und bekommt eine Tochter.

Die erste Zigarre
Als er seine Tochter in einer armenischen Kirche in Genf taufen lässt, bietet ihm ein Freund nach der Feier eine Zigarre an. Die begeistert ihn so sehr, dass er selbst welche herstellen lassen will und entwickelt mit Hilfe eines Tabakmischers seine erste Marke „Bolero“, die er kurz darauf in „Avo“ umbenennt. Bis dato sind die Zigarren nur für seinen privaten Gebrauch gedacht: Wenn er in seiner Bar spielt, stellt er immer eine „Avo Classic- Schachtel“ auf das Piano und jeder darf sich bedienen. Der Zuspruch wird immer größer und er fängt an, die Zigarren vom Piano aus zu verkaufen. So kommt er schnell auf 1000 Kisten pro Jahr.

Als er den Zigarrenproduzent und Besitzer des Unternehmens “Tabacos Dominicanos” kennenlernt, verbessert er mit dessen Hilfe die Qualität seiner Zigarren und schickt einige Probeexemplare zum Davidoff-Shop in New York. Ende der 80er ĂĽbernimmt der Konzern die Distribution und bald liegen die ersten „Avos“ bei den US-Händlern. Heute gehört die Marke zur „Oettinger Davidoff Group“ und es werden rund drei Millionen der Zigarren in alle Welt verkauft. Gefertigt werden sie in der Manufaktur im Cibao-Tal in der Dominikanischen Republik. Von der „Avo Classic“ bis hin zu limitierten Sonderauflagen ist heute eine breite Produktpalette erhältlich.

Und Avo? Der lebt heute in Orlando im sonnigen Florida und feiert im März seinen 89. Geburtstag. Piano spielt er übrigens immer noch – ganz stilecht mit Strohhut, weißem Anzug und Zigarre. Der Mann hat eben Geschmack.

 

 

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