RETROSPEKTIVE: 100 JAHRE TECHNICOLOR

am 9. Februar 2015

Technicolor

Die Welt ist bunt. Besonders die Welt der Hollywoodfilme. Wahre Farbexplosionen, die den Zuschauern von der Leinwand entgegenstrahlen. Vor 100 Jahren noch undenkbar. Bis Herbert T. Kalmus, Daniel Comstock und W. Burton Wescott 1915 eine bahnbrechende Erfindung machten: Technicolor. Der Inbegriff spektakulärer Farb- und Filmerlebnisse.

Den Anfang machte „Technicolor Nr. I“, ein Zwei-Farben-Verfahren, das mit Hilfe eines Strahlenteilers sowie einem roten und grünen Filter dazu verhalf, einen Film aufzuzeichnen und zu projizieren. Das Ergebnis waren die ersten Technicolor-Filme mit flackernden Farbsäumen. Blau ließ sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wiedergeben. Zunächst standen Zuschauer und Filmkritiker der noch nicht ausgereiften Technik skeptisch gegenüber. Aber das Technicolor-Team ließ von seiner Idee nicht ab.

Die Folgejahre sollten ihnen Recht geben. Denn die kolorierten Filme und der sich fast zeitgleich entwickelnde Ton eroberten die Kinosäle im Sturm. So zeigten bereits frĂĽhe Filme wie das Drama ‘The Toll of the Sea’ (Lotusblume, Chester M. Franklin, USA 1922) den höchst ästhetischen Umgang mit Farbe. Gedreht mit dem „Technicolor Nr. II“-Verfahren, wurde der Film zu einem rot-grĂĽnem BlĂĽtentraum mit chinesischem Flair. In ‘Redskin’ (Der Todeskampf einer Rasse, Victor Schertzinger USA 1929) machte es das „Technicolor Nr. III“-Verfahren möglich, die beeindruckende Farbpalette schimmernder Sandtöne der Originalschauplätze wiederzugeben. Den Durchbruch schaffte dann 1932 das berĂĽhmten Drei-Farben-Verfahren Technicolor Nr. IV. Das gesamte Farbspektrum mit Blau, Rot und GrĂĽn. Eine davor unerreichbare Qualität, die Technicolor zu einem Mythos werden lieĂź.

Animationsfilme auf dem Vormarsch
Wegbegleiter der Technicolor-Ă„sthetik war der Animationsfilm. Bereits 1932 schloss Kalmus einen Exklusivvertrag mit Walt Disney Productions. Eine Serie von Drei-Farben-Kurzfilmen, darunter ‘Funny Little Bunnies’ (Wilfred Jackson, USA 1934), zeigt die beeindruckende Verschmelzung von Licht, Farbe, Form und Bewegung. Auch Musicals nutzen die kolorierten Gestaltungsmöglichkeiten von „Color by Technicolor“. Unvergessen bleibt der exzessive Farbeinsatz im legendären MGM-Musical ‘The Wizard of Oz’ (Das zauberhafte Land, Victor Fleming, USA 1939). Dessen stilistisch verwendeten Farben lieĂźen die Schauspieler mit ihren FantasiekostĂĽmen wie Kunstfiguren wirken.

Aber auch typische Hollywood-Filme, die sich maĂźgeblich auf Handlung und Figuren konzentrierten, erkannten die neue Ausdrucksmöglichkeit „Farbe“ als Stilmittel wichtiger Handlungsmomente und zur Verstärkung emotionaler Szenen. So auch der 1939 Oscar-prämierte ‘Gone With the Wind’ (Vom Winde verweht, Victor Fleming, USA 1939), der eine auĂźergewöhnliche kĂĽnstlerische Leistung in der Bildsprache zeigte. Ebenfalls ein besonders sehenswertes Technicolor Meisterwerk: Jean Renoirs ‘The River’ (Der Storm, USA 1951), das mit dem Holi-Fest ein faszinierendes Farbspiel bietet.

Technicolor erlebte seine Hochzeit in den Jahren 1935 bis 1955. Mitte der 50er Jahre löste der Farbnegativfilm von Eastman Color den Matrizenfilm für Farbaufnahmen weitgehend ab, so kamen die Drei-Farben-Kameras immer weniger zum Einsatz. Filmkopien werden jedoch noch immer mit dem bewehrten Technicolor-Druckverfahren Nr. V hergestellt.

Die Retrospektive, die im Rahmen der 65. Internationalen Filmfestspiele Berlin gezeigt wird, ist in Kooperation mit dem George Eastman House in Rochester entstanden. Sie präsentiert rund 30 spektakuläre, zum Teil aufwendig restaurierte Technicolor-Filme aus den Anfängen bis 1953. Eine außergewöhnliche Ausstellung und Chance, um die dramaturgisch überhöhten Farbspiele von „Color by Technicolor“ mit eigenen Augen zu sehen.

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