Sind Sie risikofreudig, Herr Löw? (Teil 1)

am 7. August 2012

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Modetagebuch interviewte Joachim Löw fĂŒr Nivea for Men. Teil 1
Herr Löw, wÀren Sie heute noch Trainer des DFB, wenn Sie 2008 Europameister und 2010 Weltmeister geworden wÀren?
Das ist eine hypothetische Frage, mit der ich mich noch nie beschĂ€ftigt habe. Aber ich denke eher ja. Denn diese Mannschaft ist noch lange nicht am Ende ihrer Entwicklung – völlig unabhĂ€ngig von der Platzierung bei einer Meisterschaft.

Deutschland hat Holland in der Rangliste ĂŒberholt. Welchen Spieler aus der hollĂ€ndischen Mannschaft hĂ€tten Sie persönlich gern noch in Ihrem EM-Team?
Ich bin mittlerweile seit 2004 beim DFB. Und eines unserer Erfolgsgeheimnisse ist, dass wir uns nur um Dinge kĂŒmmern, die wir selbst beeinflussen können bzw. die direkten Einfluss auf unsere Arbeit haben. FĂŒr das Amt des Bundestrainers braucht man so viel Energie, dass es keinen Sinn macht, sich um andere Dinge zu kĂŒmmern. Und im Übrigen bin ich mit den Spielern, die mein Team bilden, völlig zufrieden.

Wie entspannen Sie sich bei einem lÀngeren Turnier wie der EM?
Es dauert in der Tat eine gewisse Zeit nach einem solch großen Turnier, bis man wieder einigermaßen entspannt ist. Abschalten kann ich am besten beim Sport in der Natur, zum Beispiel beim Fahrradfahren oder beim Joggen. Außerdem lese ich gerne Biographien.
Sie leben in Ihrer Heimat Baden, in Freiburg. Wie wichtig ist Heimkommen fĂŒr Sie, um Ihr Gleichgewicht wieder zu finden?
Das ist sehr wichtig. NatĂŒrlich liegt Freiburg nicht zentral und manches Mal ist es schwierig, nach einem Bundesligaspiel oder einem Medientermin abends noch heimzukommen. Aber ich habe gemerkt, wie gut es tut, wenn man Freunde um sich hat, die man ganz, ganz lange kennt. Wenn du einen gewissen Weg machst, in der Öffentlichkeit stehst, hast du auch falsche Freunde. Man wird viel angesprochen, man will viel von dir. Wenn ich dann zurĂŒckkehre, an die Basis, zu meiner Familie und meinen Freunden, das ist schon anders. Die messen mich nicht daran, ob ich gewinne oder verliere. Die kenne ich teils noch aus meiner Zeit als Zweitligaspieler, da war ich 19, 20 Jahre alt, mit allen Höhen und Tiefen. Heimat ist fĂŒr mich deshalb auch gar nicht so örtlich bedingt, sondern dort, wo ich enge Freunde habe, die vielleicht nur ganz wenig mit Fußball zu tun haben.
Sie werden an Sieg und Niederlage gemessen – Können Sie gut verlieren, Herr Löw?
Ich glaube, dass es auf diesem Niveau des Sports keinen gibt, der gut verlieren kann. DafĂŒr sind bei allen Beteiligten Ehrgeiz und Aufwand zu groß. Als Trainer ist es wichtig, dass man sich optimal vorbereitet hat. Man muss wissen, dass man als Trainer nicht alles beeinflussen kann. Aber eine optimale Vorbereitung unter den vorgegebenen Bedingungen – das ist wichtig, um eine Niederlage zu verarbeiten.
Sind Sie risikofreudig?
Das denke ich schon. Auch als Trainer spiele ich gerne mit Risiko und setze oft alles auf eine Karte. Ich bin nicht so der Mensch, der auf Sicherheit baut, Dinge verwaltet – nicht im Fußball und nicht privat. Gerne verĂ€ndere ich mich auch. Ich bin in meinem Leben hĂ€ufig umgezogen, war in fernen LĂ€ndern. Immer habe ich Fernweh. Abenteuerreisen, so was reizt mich. Ich war ja auch schon auf dem Kilimandscharo. Das hat mich fasziniert. FrĂŒher war ich auch schon mal gerne im Casino.
Sie engagieren Sich auch sozial auf internationaler Ebene…
Ich engagiere mich zusammen mit meinem Partner NIVEA fĂŒr die Projekte von Plan International, da ich der Meinung bin, dass Kinder UnterstĂŒtzung und FĂŒrsprecher brauchen, um eine positive Zukunft zu haben. Plan International setzt sich weltweit seit vielen Jahren nachhaltig fĂŒr die Rechte von benachteiligten Kindern ein. Das Projekt in Ruanda, das ich unterstĂŒtze, passt perfekt, denn auch hierbei spielt der Fußball eine Rolle. Ich bin mir sicher, dass Kinder durch Fußball Teamgeist und Selbstbewusstsein entwickeln können, Respekt voreinander haben und Regeln akzeptieren. Deshalb freue ich mich, dass ich gemeinsam mit Plan International und NIVEA in Ruanda dieses Fußballprojekt fördern kann, das ĂŒber mehrere Jahre hinweg diese BedĂŒrfnisse in den Vordergrund stellt.
Wenn ein Sponsor aus der Wirtschaft an Sie herantritt, wonach entscheiden Sie, ob Sie zusammen arbeiten werden?
Ich muss mich zu 100 Prozent mit der Marke identifizieren können, sie im Alltag selbst benutzen und Vertrauen in die Produkte haben. Mit NIVEA bin ich quasi aufgewachsen, benutze NIVEA seit meiner Kindheit. Wir Jungs wurden immer damit eingecremt. Ein bisschen erinnert mich die blaue Dose deshalb auch immer an meine Kindheit.
Was wÀren Sie geworden, wenn nicht Bundestrainer? Was war Ihr Berufswunsch in der Kindheit?
Ich war von Anfang an stark auf Fußball fokussiert. Ich habe zwar eine Berufsausbildung als Groß- und Außenhandelskaufmann gemacht, aber seit ich meinen ersten Profivertrag als Spieler beim SC Freiburg unterschrieben habe, weiß ich, dass ich ́Fußball am besten kann. Deshalb kann ich mir heute keinen anderen und vor allem auch keinen schöneren Job vorstellen als den des Trainers.
Was möchten Sie gern nach Ihrer Zeit als DFB-Trainer machen? Wie wird Ihr „Leben danach“ aussehen?
Ganz ehrlich: Ich lebe vor allem im Jetzt. Ich konzentriere mich auf die Europameisterschaft und auf die Aufgaben, die wir mit der Mannschaft vor uns haben. Im Fußball kommt es oft auch anders als man denkt. Deswegen mache ich mir da gar keine Gedanken.

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