Süddeutsche Zeitung: "Die Männerversteher"

am 13. April 2010

Im Wirtschaftsteil der Wochenendausgabe (10./11.04.2010) der SĂĽddeutschen Zeitung erschien unter der Rubrik “Menschen Marken Märkte” der folgende Artikel ĂĽber unsere GrĂĽnderin Renata DePauli, ĂĽber herrenausstatter.de und die dahinter stehende Firma, die DePauli Aktiengesellschaft. Wir haben uns sehr ĂĽber die positive Berichterstattung gefreut:
SĂĽddeutsche Zeitung
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Die Männerversteher

Der Onlineshop herrenausstatter.de ist einer der erfolgreichsten Anbieter von Männermode im Netz – weil das Unternehmen stets vorsichtig kalkuliert hat.

Garching – Diese Frau weiß, was Männer wollten: nicht lange suchen, nicht lange anprobieren – und danach lange Ruhe haben. Das wollen Männer. Zumindest, wenn sie Hemd, Krawatte und Anzug für eine Familienfeier brauchen. Darauf basiert das Geschäft von Renata DePauli: mit dem Onlineshop herrenausstatter.de betreibt sie einen der erfolgreichsten Anbieter von Herrenmode im Netz – gegründet zu einer Zeit, als noch nicht einmal jeder zwölfte deutsche Haushalt einen Internetanschluss und das Auktionsportal Ebay noch keine deutsche Seite hatte. Damals, Ender der neunziger Jahre, klapperte DePauli mit einem Koffer die Büros von Bankern und Versicherungsangestellten ab, brachte ihnen in Seminaren bei, wie sie sich zu Geschäftsterminen anständig anziehen. Irgendwann auf ihren Fahrten quer durch die Republik dachte sie sich, dass das auch einfacher gehen müsste. Zum Beispiel im Internet. Sechs Paar Socken verkaufte sie in der ersten Woche, damals, 1997, noch von ihrer Münchner Wohnung aus.

Die Zahl der privaten Internetanschlüsse hat sich mittlerweile mehr als verzehnfacht. Drei von vier Deutschen kaufen im Netz ein – vor allem Kleidung. Und so sitzt Renata DePauli nun im dritten Stock eines grauen Zweckbaus in einem Gewerbegebiet am Münchner Stadtrand mit 84 Mitarbeitern. Herrenausstatter.de war der Anfang inzwischen betreibt sie noch fünfzehn weitere Web-Shops für Kleidung. Dass ihr Geschäft funktioniert liegt vor allem daran, dass die 42-jährige weiß, wie Mann sich zu kleiden und sie zu rechnen hat. Schon als Kind erzählt sie, habe sie fasziniert die Schnittmuster ihrer Großtante durchgeblättert, die um 1900 die Modeschule in München besucht hatte. Ihr Mädchentraum: es der Großtante gleichzutun. Dann hat sie sich doch entschieden, Betriebswirtschaft zu studieren. Die Vernunft habe gesiegt, sagt sie. Und sie ist vernünftig geblieben: Von Anfang an war das Unternehmen eigenfinanziert und ist es bis heute, wie DePauli betont. Ein Zehntel der Bestellungen kommen aus dem Ausland. Doch vom weltweiten Handel ist herrenausstatter.de weit entfernt, die Seite gibt es nur auf Deutsch. Dass sich Läden in München und Mailand ähneln, täusche darüber hinweg, dass sich Deutsche und Italiener nach wie vor unterscheiden – in der Größe und im Geschmack. „Jeder Markt hat eigene Regeln, daher müssen die Angebote speziell auf den jeweiligen Markt angepasst werden. Mit Übersetzungen alleine ist es nicht getan“, sagt DePauli.

Kurz nachdem sie herrenausstatter.de in Netz gebracht hatte, konnte sie das Platzen einer der größten Blasen beobachten: jene um den Modehändler Boo.com 18 Monate, nachdem die drei Gründer gestartet waren, waren mehr als 100 Millionen Euro weg. Für eine Werbekampagne, die anlief, als die Seite noch nicht online war. Für einen viel zu aufwendigen Auftritt, der mehrere Minuten brauchte, um im Internet hochgeladen zu werden. Für mehrere europäische Niederlassungen und einen kaum zu handhabenden Versand.

Wenn andere Unternehmer spotteten, sie sei zu vorsichtig, dann hat Renata DePauli stets gelächelt – und geschwiegen. Im Kopf die Geschichte von Boo.com und die eigenen Unternehmenszahlen, die ihr schließlich recht geben sollten. Noch heute redet sie nicht einmal über die Anzahl der Pakete, die täglich den Versand verlassen. Die letzte offizielle Zahl ist sechs Jahre alt: Damals lag der Umsatz bei 11,4 Millionen Euro.

Selbst optisch ist herrenausstatter.de der Gegenentwurf zu Boo.com: Fotomodelle, die an Familienväter erinnern, statt einer virtuellen Shoppingassistentin, die Lara Croft ähnelt. Schlichte Schriftzüge statt bunter Tupfer. 240 Marken, 300 000 Artikel stecken hinter der lila Menüleiste: vom Poloshirt bis zum Pyjama. Alles, was Mann braucht – und zwar so wie Mann es braucht. Kunden können eine Übersicht all ihrer Bestellungen hinterlegen. Wer zu kurze Beine für eine zu breite Hufte hat, der kann dort die Größen abspeichern, in die er, je nach Marke und Modell, hineinpasst. Zudem stehen dem männlichen Modemuffel zwölf Berater an der Weite – über eine kostenlose Telefonnummer. Auch die können die Liste frühere Bestellungen einsehen und somit beispielsweise ein Hemd empfehlen, das zum bereits zuvor georderten Anzug passt. Manchmal, erzählt Renata DePauli, erhalten sie als Dankeschön für die Beratung ein Foto von der Familienfeier. Und manchmal müssen sie auch gar nicht viel erklären. Dann hat die Ehefrau den Einkauf erledigt – immerhin ein Viertel der Kunden bei herrenausstatter.de sind weiblich. Und auch die hat die Unternehmerin offenbar verstanden: Seit fünf Jahren betreibt sie zusätzlich den Shop damenausstatter.de. Vor kurzem benannte sie in um, in fashionsisters.de.

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