The First Book of Fashion

am 18. Januar 2016

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So selbstverliebt war der erste Mode-Blogger …

Heute tümmeln sie sich im World Wide Web wie Sand am mehr. Mal stöbert man hier, mal liest man dort. Fashion-Bloggern ist es enorm wichtig, in der Mode-Szene ganz vorne mitzumischen. Aber ist das wirklich neu?

Nicht wirklich. Die Idee, jeden Tag einen anderen Look vorzustellen, entsteht bereits im 16. Jahrhundert, von einem Deutschen: Matthäus Schwarz. In seinem Buch „The First Book of Fashion“ dokumentiert er seine modischen Vorlieben …

Vom Kaufmann zum Selfie-Fetischisten

Matthäus Schwarz stammt aus einer Zimmermannsfamilie und wird 1497 im bayerischen Augsburg geboren. Nach einer Kaufmannslehre in Mailand und Venedig beginnt der modeverrückte 23-jährige, seine täglich wechselnde Kleidung in Bildern darzustellen. Drei Porträtmaler begleiten ihn über 40 Jahre lang mit Farbe und Pinsel (von 1520-1560).

Nebenbei verdient Schwarz sein Geld als Buchhalter. Da er hier für wichtige Leute arbeitet, hat er gute Kontakte zu Schneidern. Die Nähmaschine ist noch nicht erfunden und alles muss von Hand gefertigt werden. Matthäus trägt in ganz Augsburg den Spitznamen „Kleidernarr“ und entscheidet sich bewusst, das meiste Geld für sein Aussehen auszugeben …

Vom KleiderbĂĽchlein zum Fashion-Blog

Ankleiden war damals viel aufwendiger als heute. Schwarz hält strikt Diät, um in so manches Outfit zu passen. Teilweise muss er regelrecht in die Outfits „eingenäht“ werden. Er zeigt uns auch sportive Mode: zum Beispiel schwarze Seidenhosen zum Bogenschießen oder gelbes Doublet zum Fechten. Mit 29 Jahren lässt er sich sogar nackt malen.

Farben spielen eine ganz wichtige Rolle in seinem damaligen „Kleiderbüchlein“: Grün für Glück, Gelb & Rot für Freude, Weiß für Glaube, Schwarz für Beständigkeit.

Nach rund 40 Jahren gibt Matthäus sein modisches Hobby an seinen Sohn Veit Konrad weiter. Dieser hört aber bereits mit 19 Jahren aus mangelndem Interesse  wieder damit auf.

Das End-Ergebnis „The First Book of Fashion“ kann sich heute trotzdem sehen lassen. Es beinhaltet über 130 Selbstporträts des „Augsburger Kleidernarrs“. Zu den einzelnen Bildern finden wir von ihm zahlreiche Kommentare und Anregungen zu den jeweiligen Stoffen, Schnitten und Farben.

Text: Rebecca Kapfinger, Redaktion

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