Von der Kunst zu Sehen

am 5. November 2015

David Bowie, "Helmut Newton: Permanent Loan Selection"

David Bowie, fotografiert von Helmut Newton, 1983

Henri Cartier-Bresson, Helmut Newton und Annie Leibowitz verstehen es, den richtigen Augenblick festzuhalten. Drei unterschiedliche Persönlichkeiten, eine Leidenschaft. Große Fotografen im Fokus, die alle ihre ganz persönliche Eigenart haben …

Henri Cartier-Bresson (1908-2004) – der Weltenbummler

Situationen, die es im nächsten Moment gar nicht mehr gibt, hat er reflexartig festgehalten und ein ganzes Jahrhundert dokumentiert: Henri Cartier-Bresson. Er hat das wahre Leben aufgesaugt, fotografierte die Befreiung von Paris, hielt den Beginn der Volksrepublik China fest und schoss die ersten Bilder der Sowjetunion.

Zuvor, mit 21 Jahren machte er seine ersten Aufnahmen in Afrika, entsetzt von der Ausbeutung. Überlebte das Schwarzwasserfieber, eine schwere Komplikation der Malaria, und fotografierte 1937 die Krönung Georgs VI. in London. Inspirieren ließ er sich vom Surrealismus, von Matisse und André Breton.

Sein Gleichgewicht der Formen als Basis war ohne Gleichen, seine Welt war schwarz-weiß. Farbaufnahmen lehnte er ab. Kein Blitz. Nur der Moment zählte. Immer im Kleinbildformat. Mit seinem Kollegen Robert Capa gründete er seine eigene Bild-Agentur. Oft fehlte das Geld. Capa schloss Pferdewetten ab, bezahlte von dem Gewinn das Personal.

Und dann fotografierte Cartier-Bresson Gandhi in Indien. Das Ehepaar Joliot-Curie. Coco Chanel. Und Simone de Beauvoir, die fragte, wie lange der Termin dauern würde. Henri Cartier-Bresson war ein ehrlicher Mann. „Länger als beim Zahnarzt und kürzer als beim Psycho-Analytiker.“ Beauvoir brach den Termin ab.

Helmut Newton (1920-2004) – der Provokateur

Sein eigentlicher Name war Helmut Neustädler. Mit 12 kaufte er sich seinen ersten Fotoapparat, sechs Jahre später flüchtete er im Zweiten Weltkrieg nach Singapur. Arbeitete als Bildreporter für die „Singapore Straits Times“ und flog schnell wieder wegen „mangelndem Talent“ raus.

Geld war knapp. Newton fotografierte alles, das welches brachte: Hochzeiten, Taufen, machte Passfotos. Dann siedelte er nach Australien über, fuhr LKW für das Militär und eröffnete 1945 ein Fotostudio in Melbourne. Der „untalentierte“ Junge von einst wurde ´59 zum Fotografen der Vogue. Erst der australischen, dann der französischen, der amerikanischen, der italienischen und der deutschen. Er ging nach Paris. Und dann kamen sie alle. Die Models. Die Stars. Newton der Modefotograf.

Er provozierte, wurde zum Fotograf der Nackten, bekannt für sexuelle Detailversessenheit, für seine Aktfotografien. Sein Motiv: der Körper. Der junge Karl Lagerfeld räkelte sich für ihn fast nackt auf einem Bett. Ohne Sonnenbrille. Jodie Foster. Elisabeth Taylor. David Bowie. Salvador Dali. Helmut Berger posierte nackt vor dem Kamin.  Helmut Kohl vor einer deutschen Eiche. Bekleidet versteht sich.

Im Alter von 83 Jahren starb Newton in seinem Cadillac bei einem Verkehrsunfall in L.A.

Anni Leibovitz (1949) – die Unsichtbare

Die Frau, der die Stars vertrauen. Annie Leibowitz schoss ihre ersten Bilder auf den Philippinen. Ihr Vater war dort während des Vietnam-Kriegs stationiert. Eigentlich wollte sie Kunstlehrerin werden, studierte Malerei und Fotografie.

Die ersten Aufnahmen machte sie mit einer 35-mm Kleinbild-Kamera – inspiriert von Henri Cartier-Bresson. Und dann kamen die Aufträge für das Musikmagazin „Rolling Stone“. Sie wurde von 1973 bis 1981 zur Chef-Fotografin und begleitete Musiker in ihrem Alltag.

Sie wollte nicht auffallen, sie war Teil des Ganzen. Tauchte ein in die Welt der Rockstars. Machte Momentaufnahmen. Von den Stones zum Beispiel, mit denen sie 1975 tourte. Sie wurde drogensĂĽchtig, so sehr wurde sie eins mit dem Alltag der Rockstars.

Leibovitz machte einen Entzug, beteiligte sich an der Gründung der Vanity Fair und kehrte dem „Rolling Stone“ den Rücken. Sie fotografierte die Queen, Whoopi Goldberg in einer Badewanne voller Milch, Leonardo Dicaprio, Angelina Jolie, machte Aktaufnahmen von John Lennon. Demi Moore posierte nackt vor ihrer Kamera. Hochschwanger.

Leibovitz lebt mit ihren drei Töchtern in New York.

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