Kühle Füße, klare Sache:

Was der Sommerschuh wirklich können muss

Beige, blaue und braune Herren-Espadrilles aus Wildleder auf Terrasse, lässig präsentiert

Bei Hitze fällt der Blick zuerst auf Leinenhemden und kurze Hosen. Die Füße geraten dabei aus dem Blick – dabei entscheiden gerade sie, ob ein heißer Tag angenehm bleibt oder zur Qual wird.

Dr. Markus Walther weiß, wovon er spricht. Der Orthopäde leitet die Fuß- und Sprunggelenkchirurgie an der Schön Klinik München Harlaching, lehrt an der Universität Würzburg und sitzt im Vorstand der Europäischen Gesellschaft für Fuß- und Sprunggelenkchirurgie. Er beschreibt, wie manche „Zehensandalen“-Träger (*) am Ende in der Klinik landen – ein Satz, der aufhorchen lässt, wenn man selbst gerade zur Sommersandale gegriffen hat. Übrigens: ein Interview mit Dr. Walther findet sich in der NZZ (https://www.nzz.ch/wissenschaft).

* Hinweis in eigener Sache: Wenngleich „FlipFlop“ ein stehender Begriff der Umgangssprache ist (wie etwa „Tempo“ für ein Taschentuch), ist der Marken-Eigentümer schnell mit strafbewehrten einstweiligen Verfügungen zur Hand, wenn ein Händler unerlaubt diese Begrifflichkeit nutzt. Wir verwenden deshalb stattdessen den wirklich unschönen Begriff „Zehensandale“. Wobei … der verbotene Begriff, begreift man ihn als das Geräusch, welches die Träger beim Gehen erzeugen, nicht deutlich schöner ist.

Das Problem zwischen den Zehen

Die Ursache liegt nicht in der Bauform an sich, sondern im Detail. Die Haut zwischen großem und zweitem Zeh ist dünn, und der Steg trägt dort die schützende Hornhaut ab. Kommt dann empfindliche Haut mit dem Kunststoff des Stegs in Kontakt, reagiert sie mitunter heftig – bis hin zu Beschwerden, die eine Behandlung nötig machen. Ein Konstruktionsfehler, der seit Jahrzehnten toleriert wird, weil der Schuh so bequem in den Koffer passt.

Zur Einordnung: Der Fli… nein: die Zehensandale selbst ist keine Erfindung der Freizeitindustrie. Sie finden sich bereits in ägyptischen Wandmalereien vor rund 6000 Jahren, wobei der Steg je nach Kultur unterschiedlich saß – bei den Griechen zwischen erstem und zweitem Zeh, bei den Römern einen Zeh weiter.

Seinen heutigen Namen und seine Verbreitung verdankt er jedoch erst der Nachkriegszeit: amerikanische und australische Soldaten brachten die japanische Zori-Sandale als Mitbringsel mit nach Hause. Eine lange Geschichte also – die orthopädische Skepsis ist vergleichsweise jung.

Die vermeintlich gesunde Alternative

Wer deshalb zur Gesundheitssandale mit Korksohle greift, macht es nicht automatisch besser. Walther urteilt unmissverständlich: „Sandalen mit Korksohlen finde ich furchtbar – optisch und fussergonomisch." Ein Satz mit der angenehmen Eigenschaft, gleich zwei verbreitete Illusionen auf einmal wegzuräumen.

Was tatsächlich funktioniert

Die Empfehlung des Orthopäden fällt auf ein Schuhwerk, das in der Männermode nie ganz aus der Mode kam: die Espadrille. Mit flacher, flexibler Sohle und luftigem Leinen-Obermaterial ist sie aus orthopädischer Sicht eine gute Option für den Sommer. Einzige Einschränkung: Wie bei jedem engen Schuh gilt auch hier, auf ausreichend Platz im Vorfußbereich zu achten.

Auch der Ballerina – sofern von Männern überhaupt als Alternative in Betracht gezogen – hat, obwohl gerade bei sommerlich-legerem Auftritt beliebt, seine Grenzen. Wessen Fußsohle wenig Fettpolster mitbringt, spürt durch die dünne Sohle jeden Kieselstein – kein Charakterfehler des Trägers, sondern schlicht Physik.

Beige und dunkelblaue Espadrilles aus Wildleder, leger präsentiert am Strand

Espadrilles entdecken

Die kurze Fassung: Zieleinlauf

Espadrille vor Zehensandale (wir nennen sie ab sofort „Zori“, das klingt nett und exotisch), Zori vor Korksohle, und beim Ballerina hilft es, die eigene Fußanatomie zu kennen. Der Sommer verlangt dem Fuß ohnehin genug ab – das Mindeste ist ein Schuh, der ihm nicht zusätzlich im Weg steht.

Übrigens – das ist keine Fremdwerbung, sondern ein Danke für die Erkenntnisse – hier die Praxisadresse von Dr. Walther: https://www.arzt-auskunft.de/arzt/chefarzt-aerztlicher-direktor-orthopaedie-und-unfallchirurgie/muenchen/prof-dr-markus-walther-3075227