Die Anatomie der perfekten Hose 2026

Ein Leitfaden durch Schnitte, Stoffe und die Kunst der gelassenen Garderobe

Drei Männer in Freizeitkleidung: Olivgrüner Mantel, beige Pullover & Hose; Karamellfarbener Mantel, Schal, braune Cordhose & braune Schuhe; Beige Weste, braun-beiges Overshirt sowie dunkelbeige Hose.

Mein Hosen-Dilemma. Und wie ich damit umgehe.

Ich schiebe die Bügel an der Kleiderstange entlang. Slim Fit, Slim Fit, Jogpant, Jogpant, noch eine Slim Fit, dann – etwas verschämt zwischen zwei Jeans geklemmt – eine einzelne Hose mit Bundfalte. Gekauft vor einem Jahr, vielleicht dreimal getragen. Sie wirkte damals wie ein Experiment.

Dabei habe ich mir gerade die neuen Kollektionen unserer Hosenmarken angesehen. Was ich dort sah: Weite Schnitte, wohin das Auge blickt. Bundfalten, als hätte jemand die Archive der Fünfziger geplündert. Fließende Silhouetten, wo früher alles eng anlag.

Ein leichtes Unbehagen macht sich breit. Muss ich mich jetzt komplett neu eindecken?

Meine Frau Renata kommt ins Zimmer, sieht meinen „weidwunden“ 😉 Blick, versteht sofort.

"Du fragst dich, ob du alles wegwerfen musst."

"So ungefähr."




Sie greift nach der einsamen Bundfaltenhose, hält sie hoch. "Die hier trägst du viel zu selten." Dann, mit der Gelassenheit von fast dreißig Jahren Modeerfahrung: "Du musst gar nichts wegwerfen. Du ergänzt einfach. Im Lauf der Zeit. Mal eine Hose mit großzügiger Bundfalte. Mal eine weite Leinenhose für den Sommer. Deine Slim Fits? Die bleiben Klassiker. Die ziehst du zwischendurch an, und niemand wird dich schief ansehen."

Sie legt die Hose zurück. "Mode ist kein Umzug. Du musst nicht alles auf einmal austauschen."

Und sie hat – wie immer, schließlich bin ich ein erfahrener Ehemann - Recht. Mode ist keine Revolution. Sie ist eine Erweiterung des Repertoires. Und letztlich geht es darum, sich in seiner Kleidung wohlzufühlen.

(Alexander DePauli ist Ehemann unserer Gründerin Renata DePauli, für IT und Marketing zuständig und schreibt regelmäßig für Herrenausstatter.de)

Hosentrends 2026. Die Übersicht.

• Die fünf Archetypen: Eine Typologie für den modernen Kleiderschrank

• Die Bundfalte: Warum Fred Astaire recht hatte

• Die entspannte Weite: Vom Casual Friday zum neuen Standard

• Materialien: Was bleibt, was kommt

• Vom Büro zum Wochenende: Die Kunst der situativen Hosenwahl

• Die Pflege-Grundlagen: So halten Ihre Hosen länger

• Die Investment-Rechnung

• Fazit: Die neue Gelassenheit

Die fünf Archetypen: Eine Typologie für den modernen Kleiderschrank

Wer heute eine Hose kauft, steht vor mehr Optionen als je zuvor. Die gute Nachricht: Man muss nicht alle besitzen. Aber es hilft, die Grundtypen zu kennen – und zu wissen, welcher wann der richtige ist.

Tabelle mit verschiedenen Hosentypen für Herren, darunter Slim Fit und Regular Fit, aus Baumwollmaterial.

Die Slim Fit verschwindet nicht. Sie wird zur Option unter mehreren – nicht mehr zum einzigen Maßstab. Wer seinen Kleiderschrank klug ergänzt, hat für jede Situation die passende Silhouette.

Die Bundfalte: Warum Fred Astaire recht hatte

Fred Astaire war der Mann, der das Tanzen so aussehen ließ, als gäbe es keine Schwerkraft. In den Vierziger- und Fünfzigerjahren war er in Hollywood eine Stilikone – ohne es je darauf angelegt zu haben. Denn Astaire war kein Model. Er war Tänzer. Und er stellte an seine Kleidung eine einfache Forderung: Sie musste funktionieren.

Die Bundfalte war für ihn keine ästhetische Spielerei, sondern Notwendigkeit. Der zusätzliche Stoff im Oberschenkel gab ihm die Bewegungsfreiheit für stundenlange Drehtage. Gleichzeitig fiel die Hose elegant, wenn er stillstand. Kein Spannen, kein Ziehen – nur eine saubere Linie. Was Astaire aus praktischen Gründen trug, gilt heute als Inbegriff entspannter Eleganz. Sein Stil wirkt nach achtzig Jahren wieder so frisch, weil er nie modisch sein wollte. Er wollte sich gut bewegen und dabei gut aussehen.

Die Bundfalte kehrt heute aus demselben Grund zurück: Sie verbindet Eleganz mit Komfort. Fred Astaire hätte vermutlich nur mit den Schultern gezuckt und gesagt: War doch immer so.

Die zwei Varianten:

Die einfache Bundfalte (eine Falte pro Seite) wirkt dezent und eignet sich für den Einstieg. Sie verändert die Silhouette nur leicht, bietet aber bereits spürbar mehr Komfort.

Die doppelte Bundfalte macht ein deutlicheres Statement. Sie erzeugt mehr Volumen im Oberschenkel und verlangt nach einem gewissen Selbstbewusstsein. Richtig getragen – mit schmalem Saum und höherem Bund – wirkt sie lässig, lebendig und sogar (wieder) jugendlich!

Der richtige Bund: Bundfaltenhosen funktionieren am besten mit höherem Bund. Er sollte auf oder leicht über der Hüfte sitzen. Nur so fallen die Falten korrekt und erzeugen die vertikale Linie, die das Bein optisch streckt. Ein niedriger Bund lässt die Falten aufklaffen – der häufigste Fehler.

Die entspannte Weite: Vom Casual Friday zum neuen Standard

Neben der Bundfalte erobert sich ein anderer Schnitt seinen Platz zurück: die insgesamt weitere, entspannte Hose. Nicht die Baggy-Jeans der Neunziger – die bleibt, wo sie hingehört, nämlich in der Erinnerung. Sondern eine Passform, die man am besten als "großzügig, aber nicht nachlässig" beschreiben könnte.

Der Relaxed Fit sitzt bequemer in Oberschenkel und Gesäß, ohne zu schlabbern. Er erlaubt es, sich hinzusetzen, ohne dass der Stoff spannt. Er sieht angezogen aus, fühlt sich aber fast an wie eine gute Jogginghose – nur eben gesellschaftsfähig.

Was diese Hosen von ihren formlosen Vorfahren unterscheidet: die Proportionen stimmen. Ein leicht verengter Saum verhindert den Fallschirm-Effekt. Der Bund sitzt definiert. Der Stoff hat genug Substanz, um zu fallen, statt zu flattern.

Für wen? Für jeden, der im Büro keinen Anzug mehr tragen muss, aber auch nicht in Jeans erscheinen will. Für Reisen, bei denen Komfort wichtiger ist als Repräsentation. Für das Wochenende, das irgendwo zwischen Café und Gartenarbeit stattfindet.

Mann in schwarzem Pullover und grauer Hose auf Treppe, legerer Look

Materialien: Was bleibt, was kommt

Die Hose beginnt mit dem Stoff. Bevor man über Schnitte diskutiert, lohnt ein Blick auf das, woraus sie gemacht ist.

Baumwolle: Das Fundament

Sie war da, bevor die Trends kamen, und sie wird bleiben, wenn sie wieder gehen. Baumwolle in mittlerer Grammatur funktioniert fast das ganze Jahr. Als Chino-Stoff ist sie der Allrounder, der zum Sakko ebenso passt wie zum Pullover.

Was sich ändert: Die Verarbeitung. Moderne Baumwollhosen enthalten oft einen kleinen Anteil Elasthan – zwei, drei Prozent genügen, um den Komfort deutlich zu erhöhen, ohne die Optik zu verändern. Wer das einmal getragen hat, will nicht mehr zurück.

Leinen: Der Sommerklassiker

Leinen kühlt, weil es Feuchtigkeit aufnimmt und schnell wieder abgibt. Das wussten schon die alten Ägypter, und es stimmt noch immer. Eine gute Leinenhose ist an einem heißen Augusttag Gold wert.

Ihr Ruf als knitteranfälliges Urlaubskleidungsstück ist überholt. Moderne Leinen-Baumwoll-Mischungen kombinieren die Luftigkeit des Leinens mit der Formstabilität der Baumwolle. Das Ergebnis: Eine Hose, die man auch ins Büro tragen kann, ohne auszusehen, als käme man direkt vom Strand.






Wolle: Nicht nur für den Winter

Tropische Schurwolle – leicht, atmungsaktiv, mit feinem Fall – ist eines der unterschätzten Materialien für elegante Sommerhosen. Sie knittert kaum, nimmt Gerüche weniger an als Kunstfaser und sieht auch nach Stunden im Flugzeug noch präsentabel aus.

Bundfaltenhosen aus Wollstoff sind das, was man früher schlicht "Anzughose" nannte. Heute trägt man sie auch ohne Sakko, zu einem guten Hemd oder feinem Pullover.

Stretch und Performance-Stoffe: Die unsichtbaren Helfer

Hier scheiden sich die Geister. Die Puristen lehnen alles ab, was nicht Naturfaser ist. Die Pragmatiker wissen: Ein kleiner Stretch-Anteil macht den Unterschied zwischen einer Hose, die man gerne trägt, und einer, die im Schrank hängt.

Performance-Stoffe mit Feuchtigkeitsregulierung und Knitterresistenz haben ihren Platz – vor allem auf Reisen und im Berufsalltag. Entscheidend ist, dass man sie nicht sieht. Eine gute Funktionshose sollte aussehen wie eine normale Hose, nur eben besser funktionieren.

Tabelle mit Materialien für Herrenbekleidung, Beste Jahreszeit und Pflegeaufwand; umfasst Baumwolle, Leinen, Wolle.

Vom Büro zum Wochenende: Die Kunst der situativen Hosenwahl

Die alte Regel – Anzughose fürs Büro, Jeans fürs Wochenende – gilt längst nicht mehr. Die Grenzen sind nicht durchlässig geworden, sie sind eher … verschwunden. Das macht die Sache komplizierter, aber auch interessanter.

Das Business-Meeting: Die Bundfaltenhose aus Wolle, in Anthrazit, Dunkelblau oder einem dezenten Grau. Dazu ein Hemd, eventuell ein Sakko. Wer mag, wählt eine Hose mit leichtem Muster – etwa ein feiner Glencheck. Das signalisiert: Ich kenne die Regeln, aber ich bin nicht ihr Gefangener.

Der normale Bürotag: Hier hat die Chino ihren großen Auftritt. In Slim oder Regular Fit, je nach persönlicher Vorliebe. Farben wie Sand, Steingrau oder Dunkelblau sind sichere Optionen. Die Chino lässt sich nach oben kombinieren (mit Sakko und Hemd) und nach unten (mit Pullover oder Poloshirt).




Das Freitags-Meeting, das ins Wochenende übergeht: Der Relaxed Fit in Baumwolle oder einer Baumwoll-Leinen-Mischung. Er sieht seriös genug aus für das Büro und bequem genug für das anschließende Abendessen. Dazu Loafer oder saubere Sneaker.

Der Sommersamstag: Die Leinenhose, vielleicht in Weiß, Ecru oder einem hellen Blau. Mit einem einfachen T-Shirt oder einem lässig getragenen Leinenhemd. Hier darf die Silhouette entspannt sein – aber Achtung: auch eine weite Hose braucht Struktur. Zu viel Volumen wirkt schnell unordentlich.

Die Gartenparty am Abend: Erstaunlicherweise oft der schwierigste Dresscode. Zu schick wirkt overdressed, zu lässig respektlos. Die Lösung: eine dunkle Chino oder eine leichte Bundfaltenhose, dazu ein gutes Hemd mit offenem Kragen. Keine Sneaker, aber auch keine Lackschuhe – Loafer oder saubere Wildleder-Boots treffen den Ton.

Drei Männer in Anzügen in verschiedenen Grüntönen, stilvoll im Freien stehend.

Die Pflege-Grundlagen: So halten Ihre Hosen länger

Eine gute Hose ist eine Investition. Wie jede Investition will sie gepflegt werden.

Weniger waschen

Hosen brauchen seltener die Waschmaschine, als man denkt. Baumwoll-Chinos und Jeans vertragen durchaus mehrere Einsätze, bevor sie gewaschen werden müssen. Zwischendurch genügt Auslüften – am besten über Nacht am offenen Fenster.

Richtig aufhängen

Hosenbügel mit Klemmen sind gut. Hosenbügel, über die man die Hose in voller Länge hängen kann, sind besser. Sie vermeiden Knickfalten am Knie.




Die Bügelfalte bei Wollhosen

Wer seine Bundfaltenhosen aus Wolle selbst bügelt, sollte sich Zeit nehmen. Die Bügelfalte muss exakt auf der Vorderkante des Beins sitzen – sie ist das optische Rückgrat der Hose. Im Zweifel: zur Reinigung geben. Die Profis machen das in drei Minuten, wofür man selbst zwanzig braucht.

Leinen akzeptieren

Leinen knittert. Das gehört dazu. Wer eine perfekt glatte Leinenhose erwartet, wird enttäuscht. Der Trick: Das Knittern als Teil des Charakters begreifen, nicht als Makel. Eine leicht zerknitterte Leinenhose am Sommernachmittag ist kein Zeichen von Nachlässigkeit, sondern von Natürlichkeit.

Die Investment-Rechnung

Eine Hose für 50 Euro, die nach zwei Saisons ausgetauscht wird, kostet 25 Euro pro Jahr.

Eine Hose für 180 Euro, die acht Jahre hält, kostet 22,50 Euro pro Jahr – und sieht dabei jedes einzelne Jahr immer noch gut aus.

Die Rechnung ist simpel, aber sie wird selten gemacht. Dabei ist sie das stärkste Argument für Qualität: nicht die Anschaffungskosten zählen, sondern die Kosten pro Tragen.

Tabelle mit Hosentypen, Preisen und Lebensdauer: Günstige Chino, Mittelklasse-Chino, Premium-Bundfaltenhose, Hochwertige Leinenhose.

Die Zahlen sind Richtwerte, keine exakte Wissenschaft. Aber sie zeigen: Qualität rechnet sich. Nicht sofort – aber über die Zeit.

Fazit: Die neue Gelassenheit

Die Hosenwelt 2026 ist nicht komplizierter geworden. Sie ist vielfältiger. Und das ist eine gute Nachricht für jeden, der keine Lust hat, alle paar Jahre seine komplette Garderobe umzukrempeln.

Die Slim Fit bleibt. Die Chino bleibt. Dazu kommen: die Bundfalte für elegante Anlässe, der Relaxed Fit für den Alltag, die Leinenhose für den Sommer. Wer klug ergänzt, statt hektisch zu ersetzen, baut einen Kleiderschrank, der Jahre hält.

Fred Astaire, der Mann mit den Bundfalten, soll einmal gesagt haben: "Der beste Stil ist der, den man nicht bemerkt." Er meinte damit nicht Unsichtbarkeit, sondern Mühelosigkeit. Eine Hose, die gut sitzt, in der man sich wohlfühlt, die zum Anlass passt – sie verschwindet. Man denkt nicht mehr an sie. Man trägt sie einfach.

Das ist, wenn man so will, das Ziel: nicht die perfekte Hose, sondern die richtige Hose zur richtigen Zeit. Und davon, ab sofort, ein paar mehr im Schrank.

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