Robust, reißfest, schmutzresistent und kühlend: Leinen, die älteste Naturfaser der Welt, wussten schon die alten Ägypter vor 5000 Jahren zu schätzen. Die aus der Flachspflanze gewonnene Faser besitzt hervorragende Eigenschaften von denen nicht nur die Mode-Welt profitiert. Denn neben luftig-leichten Leinenhemden und Leinenhosen ist das Einsatzgebiet des legendären Stoffes beeindruckend vielseitig. Wir wollen Ihnen deshalb mehr über die jahrtausendealte Geschichte der Leinenmode erzählen - und Ihnen anschließend natürlich auch die aktuellen Leinentrends der Jetztzeit zeigen.


Die Geschichte der Leinenmode


Um die 30.000 Jahre alt sind verschiedene Flachsfasern, die als älteste Belege für die Verwendung von Leinen für Kleidung gelten. Die Funde stammen aus Georgien und zeigen, dass der Stoff die Menschheit schon um einige Zeit länger begleitet als bisher angenommen. Davor galten nämlich die Leichtentücher der ägyptischen Pharonen als älteste belegte Quelle für die Verwendung von Leinen - immerhin auch schon gut 4.500 v. Chr. Von der Antike bis ins Mittelalter gehört Leinen neben Wolle und Fellen zu den drei gängigen Materialien, die Menschen zur Herstellung von Kleidung nutzten. Seinen Siegeszug trat der feine Stoff endültig im 19. Jahrhundert an, als in Irland, den Niederlanden, Polen der Schweiz sowie in Deutschland (vor allem Sachsen und Westfalen) wichtige Produktionsstandorte entstanden. Die Industrialisierung und damit einhergehend die Massenverarbeitung der viel günstigeren Baumwolle war es jedoch auch, die Leinen in den vergangenen 150 Jahren wieder weitestgehend aus der Mode verdrängt hat.



Welche Vorteile hat Leinenmode?



Obwohl der absolute Großteil der heutigen Mode aus Baumwolle gefertigt wird, hat Leinen einige Vorurteile gegenüber anderen Stoffen. Das fängt schon in der Herstellung an: Bis zu 20 mal weniger Wasser und Energie werden in der Herstellung benötigt, außerdem deutlich weniger Pestizide. Und bei der Produktion der Naturfaser fallen auch keine Abfallstoffe an, sondern beispielsweise gesundes Leinöl! Außerdem ist Leinen vollständig biologisch abbaubar und recyclebar. Aber auch als fertig verarbeitetes Kleidungsstück hat Leinen viele Vorteile. So ist das Material von Natur aus keimtötend, beinahe antistatisch und schmutzabweisend, zudem lässt es sich auch bei hohen Temperaturen problemlos waschen und bügeln. Und ein ganz entscheidender Punkt in der Sommersaison: Leinen nimmt bis zu 35 % Luftfeuchtigkeit auf - daher eignet es sich sich gerade zur warmen Jahreszeit für angenehm kühlende Kleidung.



Welche Produkte aus Leinen liegen im Sommer 2020 im Trend?



Leinen gehört für das Team von herrenausstatter.de ganz allgemein zu den eindeutigen Trendstoffen des Sommers 2020. Das ahnten wir schon im Frühjahr, als wir uns auf ins immer sonnige Miami machten, um ein tolles Modeshooting in der Metropole in Südflorida umzusetzen. Mit im Gepäck: lockere Anzüge, leichte Hemden und Hosen sowie Polo-Shirts und viele weitere tolle Stücke aus Leinen. Ihren ganz persönlichen Lieblingsstücke entdecken Sie hier in unserer Auswahl.

 

1 Teil - 3 Outfits: So kombinieren Sie ein Leinenhemd in drei verschiedene Looks!


Ein Kleidungsstück hat es uns aktuell aber besonders angetan: das Kurzarmhemd aus Leinen. Dank der leichten Leinenqualität bleiben Sie auch an warmen Sommertagen schön cool. Und bei den Designs von Tommy Hilfiger, Lacoste, camel active, JOOP! und vielen weiteren Top-Marken ist bestimmt auch das perfekte Kurzarmhemd für Sie dabei. Die aktuellen Empfehlungen unserer Stylisten finden Sie hier.



Wo wurde und wird Leinenstoff noch überall eingesetzt?


FÜR DIE 1. UNTERWÄSCHE 




Eine erste frühe Form der Unterhose entstand erst, als der Mensch (nach Adam & Eva) begann auch etwas darüber zu tragen. Im alten Ägypten trugen Männer höherer Stände 2 Leinen-Schürzen übereinander als Unterwäsche, um sich von der niederen Schicht abzuheben. Bis zum 19. Jhdt. wurde Unterwäsche fast ausschließlich aus weißem Leinen gefertigt und "Weißware" genannt. Leinen war damals gut waschbar, reißfest und weich zu tragen. Leinen-Wäsche galt früher auch als Statussymbol, da sie aufwendig gebleicht werden musste bis sie rein weiß ist und weil man, um sie wechseln zu können genug von ihr besitzen musste.



ZUR MUMIFIZIERUNG 




Für die alten Ägypter war ein Weiterleben ohne den Körper unmöglich, deshalb haben sie die Körper nach dem Tod mumifiziert. Um diese möglichst gut zu erhalten, wurden sie mit in Harz getränkten (teilweise 100 Meter langen) Leinen-Bandagen umwickelt. Verwendet wurden dafür ausgediente Haushalts- und Bekleidungstextilien, die in Streifen gerissen wurden. Warum Leinen? Durch ihre antibakterielle Wirkung sollten sie die Körper vor der Verwesung schützen und zudem in Form halten.



FÜR LEINWÄNDE 




Ob Pablo Picasso, Rembrandt oder Andy Warhol: Neben Hanf und Baumwolle ist vor allem Leinen der Stoff für die (Öl und Acryl-)Malerei. Leinwände, aus dem gleichnamigen Stoff, sind flexibler und halten höhere Belastungen aus. Große Bilder sind deshalb meist aus Leinen gefertigt. Ist das Naturfaser-Gewebe erst auf dem Holzrahmen aufgespannt, wird es mit einer speziellen Leimlösung bzw. weiteren Zutaten behandelt. Das sorgt für Stabilität und Spannkraft.



ALS SEGELTUCH 



Da Leinen besonders reißfest und stabil ist, wurden bis kurz vor dem Zweiten Weltkrieg Leinengewebe für Segeltücher eingesetzt. Auch wenn Leinen leicht ist, wurde es später durch Polyester oder Nylon ersetzt. Die beiden Synthetik-Fasern sind deutlich leichter, womit sich schnellere Geschwindigkeiten erreichen lassen. Außerdem sind Kunst-Fasern dauerhafter und vor allem günstiger. Übrigens: Die legendäre "America", eine amerik. Schoneryacht, gewann mit ihrem Leinen-Segel 1851 den erstmals ausgetragen "One Hundred Sovereigns Cup".



FÜR KÄSE 



Tatsächlich eignen sich zum Aufbewahren von Hart-Käse, wie Parmesan oder Pecorino, Leinen-Säckchen ideal. Da Käse ein lebendiges Naturprodukt ist, muss er auch "atmen" und reifen können. Hierfür braucht er ein möglichst konstant feucht-kühles Klima, wo er sein Aroma behält. Leinen ist deshalb perfekt, da die Naturfaser besonders atmungsaktiv ist.

Übrigens: Das Einsatzgebiet von Leinen ist schier unendlich. So wird es z. B. auch für Bettlaken, Geschirrtücher, Schuhe, Taschen, Leinöl, Seile, Buchbände und die Pferdehaltung (Stroh) verwendet.



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